EU-Wahl: Freund und Karas profitierten von Heimvorteil

Wien (APA) - Für manche ein Heimspiel: Bei der heute, Sonntag, abgehaltenen Europawahl profitierten einige der Kandidaten wie etwa SPÖ-Spitz...

Wien (APA) - Für manche ein Heimspiel: Bei der heute, Sonntag, abgehaltenen Europawahl profitierten einige der Kandidaten wie etwa SPÖ-Spitzenkandidat Eugen Freund, ÖVP-Spitze Othmar Karas oder REKOS-Frontmann Ewald Stadler in ihren Heimat- bzw. Wohngemeinden deutlich vom Heimatbonus, andere konnten diese Dynamik dagegen kaum nutzen.

In einer traditionellen Wiener ÖVP-Hochburg wohnt und wählt ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas: Sein Heimatbezirk Döbling entschied sich auch bei der heutigen EU-Wahl für die Volkspartei. 26,83 Prozent gaben der ÖVP in Döbling ihre Stimme und sicherten so trotz eines Minus von 5 Prozentpunkten gegenüber 2009 knapp den ersten Platz. Dahinter folgen die SPÖ mit 23,46 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen und die Grünen, denen 18,10 Prozent der Wähler ihr Kreuzchen gaben. Neben der Inneren Stadt und Hietzing ist Döbling damit bei der EU-Wahl der einzige schwarze Wiener Bezirk und liegt deutlich über dem Landesergebnis der Wiener ÖVP von 15,81 Prozent.

SPÖ-Spitzenkandidat Eugen Freund darf sich in seiner Heimatgemeinde St. Kanzian (Bezirk Völkermarkt) in Kärnten über ein Ergebnis freuen, das ganz deutlich sowohl über dem Landes- als auch über dem Bundesschnitt liegt. Die Sozialdemokraten erreichten in der Gemeinde am Klopeiner See 44,04 Prozent der Stimmen (2009: 28,43 Prozent). Weit abgeschlagen dahinter landeten die ÖVP mit 17,89 Prozent, die FPÖ mit 16,21 Prozent und die Grünen mit 10,24 Prozent.

Gewählt hat Freund allerdings in Wien-Wieden. Dort erreichte die SPÖ mit 21,64 Prozent ein vergleichbares Ergebnis zu 2009 (22,43 Prozent) und musste sich den Grünen geschlagen geben, die mit 28,37 Prozent Platz Eins von der ÖVP eroberten. Die Volkspartei rutschte mit 20,33 Prozent auf den dritten Rang ab.

Krems in Niederösterreich ist der Geburtsort von Ulrike Lunacek, Spitzenkandidatin der Grünen. 12,93 Prozent und damit ein Plus von 3,96 Prozentpunkten konnte Lunacek hier für sich verzeichnen - rund drei Prozentpunkte mehr als in Niederösterreich gesamt. Dennoch bedeutet das nur Platz vier hinter ÖVP (27,22 Prozent), SPÖ (24,93 Prozent) und FPÖ (19,38 Prozent). Wesentlich besser sah das Ergebnis für die Grünen in Lunaceks momentaner Heimat, dem Wiener Bezirk Leopoldstadt, aus. 26,75 Prozent der Menschen und damit um 4,27 Prozentpunkte mehr als noch 2009 entschieden sich hier für ein Kreuzerl bei den Grünen. Geschlagen geben musste man sich nur der SPÖ, die mit 28,64 Prozent ihren Spitzenplatz verteidigte.

Dass FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky auch der Bezirkschef von Wien-Mariahilf ist, hat ihm bei dieser Wahl nicht viel geholfen. 10,05 Prozent entschieden sich für die Freiheitlichen - das ist zwar gegenüber 2009 ein leichtes Plus von 1,46 Prozentpunkten, liegt aber deutlich unter dem Wiener Landesergebnis. Mit diesem Ergebnis ist die FPÖ in Mariahilf nur fünfstärkste Kraft, mit 32,43 Prozent liegen die Grünen in Mariahilf klar an der Spitze. Mit großem Abstand folgen die SPÖ (21,22 Prozent), die ÖVP (15,82 Prozent) und die NEOS (12 Prozent).

NEOS-Spitzenkandidatin Angelika Mlinar hat in ihrer Heimatgemeinde Bleiburg (Bezirk Völkermarkt) in Kärnten 77 Wähler von sich überzeugen können. Damit erreichte sie 7,75 Prozent der gültigen abgegeben Stimmen. Die NEOS wurden in Bleiburg zur fünftstärksten Kraft hinter der SPÖ (34,37 Prozent), der ÖVP (23,62 Prozent), der FPÖ (16,38 Prozent) sowie den Grünen (10,35 Prozent). Damit unterscheidet sich das Abstimmungsverhalten der Bleiburger in Sachen pink kaum von dem Restösterreichs, liegt in Kärnten aber knapp über dem Landesergebnis von 6,14 Prozent. Momentan wohnt und wählt die Kärntnerin allerdings in Wien-Josefstadt, wo die NEOS 12,48 Prozent der Stimmen verzeichneten und damit doch deutlich über dem Wiener Landesergebnis der NEOS lagen.

Der Spitzenkandidat der überraschend stärksten Kleinpartei EU-STOP, Robert Marschall, konnte in seiner Heimatgemeinde Gablitz in Niederösterreich 4,09 Prozent der Bevölkerung (70 Stimmen) von sich überzeugen. Damit liegt EU-STOP hier leicht über dem Bundesschnitt. Den Heimatbonus besser nutzen konnte etwa REKOS-Spitzenkandidat Ewald Stadler. In seiner Heimatgemeinde Etsdorf-Haitzendorf (Niederösterreich) erreichten die REKOS 5,88 Prozent und damit im Vergleich zum Landesschnitt von 1,18 Prozent ein fünfmal so gutes Ergebnis. 76 Menschen wählten Stadler, der damit in Etsdorf-Haitzendorf sechststärkste Fraktion ist.

Kein Heimspiel gab es dagegen für „Europa Anders“-Spitzenkandidat Martin Ehrenhauser: In der Gemeinde Leonding in Oberösterreich, wo Ehrenhauser seine Stimme abgegeben hat, erreichte das Bündnis 2,55 Prozent der Wähler und schnitt damit im Vergleich zum Bundesergebnis nur wenig besser ab.