EU-Wahl - Meinungsforscher: „Karas Hauptvater des ÖVP-Sieges“

Wien (APA) - Die Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer und Peter Hajek sehen vor allem Grüne und ÖVP als Gewinner der Europa-Wahl in Österreic...

Wien (APA) - Die Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer und Peter Hajek sehen vor allem Grüne und ÖVP als Gewinner der Europa-Wahl in Österreich. Gegenüber der APA meinten beide am Sonntagabend, die FPÖ habe zwar deutlich zugelegt, aber ihr bundespolitisches Potenzial nicht ausgeschöpft. Die SPÖ habe ihr Ziel Platz eins verfehlt. Die NEOS hätten ihre Erwartungen ebenfalls nicht ganz erfüllt.

Neben der niedrigen Wahlbeteiligung, die pro-europäische Parteien bevorzuge, sehen sowohl Bachmayer als auch Hajek in Spitzenkandidat Othmar Karas den Hauptgrund für den Wahlerfolg der ÖVP. „Karas ist der Hauptvater des Sieges“, formulierte der OGM-Chef. Beide Meinungsforscher erwarten nun, dass die Personaldiskussionen um Parteichef Michael Spindelegger zumindest bis zur Vorarlberger Landtagswahl im Herbst beendet sind und in der ÖVP bis dahin Ruhe einkehrt. Danach könnten die Debatte aber erneut aufflammen. Für denkbar hält es Bachmayer allerdings, dass Karas jetzt den Posten des EU-Kommissars einfordern könnte.

„Gut is gangen, nix is geschehn“, so fasste Hajek den Wahlsonntag für die SPÖ zusammen. Eugen Freund als Spitzenkandidat hält er auch nachträglich für die richtige Entscheidung. Bachmayer verwies darauf, dass die SPÖ ihre eigenen Erwartungen mit Platz eins nicht erfüllt habe, auch wenn sie ein kleines Plus verzeichne. Er erwartet, das Parteichef Werner Faymann nun mehr Gegenwind aus der eigenen Partei bekommen könnte und daraus erhebe sich die Frage, ob der Koalitionsfriede nun zu Ende gehe.

Die FPÖ hat nach Ansicht Bachmayers die Erwartungen erfüllt, wobei Parteichef Heinz-Christian Strache sein hoch gestecktes Ziel mit Platz eins rechtzeitig zurückgenommen habe. Hajek verwies allerdings darauf, dass die FPÖ trotz des Wahlerfolges ihr Potenzial auf Bundesebene, wonach Platz eins möglich wäre, nicht ausgeschöpft habe.

Die Grünen haben für Bachmayer ein „großes Lebenszeichen“ gegeben und sind „weit über den Erwartungen“ geblieben. Auch Hajek attestierte den Grünen, erstmals die Umfragen ins Ziel gebracht zu haben. Verantwortlich machte er dafür einen „guten Wahlkampf“, dass Ulrike Lunacek sich in den Fernseh-Debatten ausgezeichnet geschlagen habe und dass die NEOS zurückgefallen seien,

Dass die NEOS unter ihren Erwartungen blieben, führt Hajek ebenfalls auf die Fernseh-Debatten zurück, wo sie nach der Forderung für die Wasser-Privatisierung viel Erklärungsbedarf bekommen hätten. Da die Bindungen zu einer so jungen Parten noch nicht so gefestigt seien, könnten Wähler dann auch schnell wieder abwandern. Auch Bachmayer meinte, dass Angelika Mlinar in den Debatten nicht gut abgeschnitten habe. Ein Fehler sei es aber auch gewesen, dass sich die NEOS die Latte zu hoch gelegt oder legen haben lassen.