Ukraine-Wahl - Oligarch Achmetow verlor seine Macht im Osten

Kiew/Donezk (APA) - Trotz massiver Drohungen war der ukrainische Unternehmer Rinat Achmetow mit den prorussischen Aktivisten im Osten des La...

Kiew/Donezk (APA) - Trotz massiver Drohungen war der ukrainische Unternehmer Rinat Achmetow mit den prorussischen Aktivisten im Osten des Landes zuletzt scharf ins Gericht gegangen. Die Hoffnung Kiews, dass der Oligarch ihren Einfluss eindämmen werde, erfüllten sich indes nicht. Am Sonntagabend schien eher Achmetow seine Macht in der Region verloren zu haben.

Nicht nur, dass aufgrund bewaffneter Freischärler die Präsidentschaftswahlen in Donezk nicht durchgeführt werden konnten: Am Sonntagnachmittag demonstrierten Anhänger der „Donezker Volksrepublik“ auch vor dem Anwesen von Rinat Achmetow. Und obwohl ein gewaltsamer Sturm ausblieb, gab es in den Abendstunden zumindest Anzeichen dafür, dass Achmetow die Kontrolle über sein Anwesen im botanischen Garten von Donezk verloren haben dürfte.

Dies wurde zumindest „offiziell“ über einen Twitter-Account verkündet, welcher der „Donezker Volksrepublik“ zugeschrieben wird. In jedem Fall konnte jedoch von einer massiven Demütigung des Oligarchen die Rede sein, der bis vor kurzem noch als der mächtigste Mann des Donbass und als der reichste Mann des Landes gegolten hatte. Die ukrainische Forbes-Ausgabe hatte Achmetows Vermögen, das zu einem großen Teil aus Industriebeteiligungen in der Ostukraine besteht, zumindest vor den aktuellen Ereignissen auf mehr als 15 Milliarden Dollar (11,01 Mrd. Euro) geschätzt.

Am Mittwoch hatte Achmetow in Donezk noch raue Töne angeschlagen: „Es sind Hochstapler, die die Bevölkerung des Donbass terrorisieren und in Geiselhaft genommen haben“. Die bewaffneten prorussischen Protestführer würden sich als neue Herren aufspielen und hätten dabei „keinen einzigen Arbeitsplatz“ in der Region geschaffen. „Ich bin sicher, dass wir uns diese Genies in naher Zukunft vom Hals schaffen“, sagte Achmetow in einer Videoansprache.

Am Sonntag schien es aber selbst für einen Multimilliardär in seiner Heimatstadt zu heiß zu werden: Nachdem er alles gemacht habe, um die Durchführung der Präsidentschaftswahlen im Donbass möglich zu machen, so erklärte seine Pressesprecherin Jelena Dowschenko gegenüber ukrainischen Medien, habe Achmetow am Sonntag vorgehabt, nach Donezk zu fliegen, um hier seine Stimme abzugeben. Allerdings, so Dowschenko, habe es diese Möglichkeit nicht gegeben. Medienberichten zufolge hielt er sich in Kiew auf.

Achmetow, der als Meister der politischen Doppel- und Mehrfachspiels gilt, war in den vergangenen Wochen wiederholt vorgeworfen worden, zumindest in einem gewissen Ausmaß die Besetzer der Donezker Regionalverwaltung zu kontrollieren. Dieses Regierungsgebäude im Zentrum der ostukrainischen Millionenmetropole war am 6. April von pro-russischen Demonstranten besetzt worden, die zunächst eine vor allem virtuelle „Donezker Volksrepublik“ ausriefen.

So es diese Einflussmöglichkeit Achmetows gegeben habe sollte, mit der Machtübernahme einer Moskauer Fraktion unter den Separatisten schien er diese zuletzt zunehmend einzubüßen. Die zwei Moskauer Igor Girkin alias Strelkow und Aleksandr Borodaj gelten mittlerweile als äußerst einflussreiche Figuren im Donbass.

„Verteidigungsminister“ Girkin-Strelkow, ein russischer Rechtsextremist mit Geheimdienst- und Kriegsvergangenheit, hatte zunächst am 12. April mit einer kleinen Einheit die Polizeistation in Slowjansk (Slawjansk) erobert, sein alter Freund Borodaj, ein Moskauer Politberater und Publizist, fungiert seit 16. Mai als „Premierminister der Donezker Volksrepublik“. In Moskau wird derzeit darüber spekuliert, dass der Moskauer Rechtsaußen-Geschäftsmann Konstantin Malofejew die „Führung“ der „Donezker Volksrepublik“ auch im Auftrag des Kremls finanzieren könnte. Girken-Strelkow und Borodaj waren noch kürzlich im Sold Malofejew gestanden.

Achmetow vermittelte in Videobotschaften indes einen zunehmend verzweifelten Eindruck. Seit dem vergangenem Montag meldet er sich nahezu im Tagesrhythmus zu Wort, erklärt seine Unterstützung des ukrainischen Staates und fordert ein vehementes Vorgehen gegen die „Donezker Volksrepublik“. Und obwohl er seit wenigen Tagen Hupkonzerte wie Warnstreiks mitorganisierte - zu einer Trendwende kam es nicht. In weiten Teilen des Donbass war es der Bevölkerung am Sonntag nicht möglich, an den ukrainischen Präsidentschaftswahlen teilzunehmen.