Ukraine-Wahl - Nüchterner Poroschenko-Auftritt ohne Überraschungen

Kiew/Wien (APA) - Es war ein auffällig nüchterner Presseauftritt, den Petro (Pjotr) Poroschenko am Sonntagabend hinlegte. Kurz nachdem Exit-...

Kiew/Wien (APA) - Es war ein auffällig nüchterner Presseauftritt, den Petro (Pjotr) Poroschenko am Sonntagabend hinlegte. Kurz nachdem Exit-Polls ihm einen klaren Sieg im ersten Wahlgang verheißen hatten, trat er gemeinsam mit Koalitionspartner Witali Klitschko vor Journalisten. nur zu Beginn des Auftritts gab es einen kürzeren Applaus - Poroschenko hatte soeben versichert, die Ukraine habe einen neuen Präsident.

Nach obligatorischem Dank an die ukrainische Bevölkerung wiederholte Poroschenko in der Kiewer Kunstinstitution Mystezkyj Arsenal („Kunstarsenal) die grundlegenden Positionen seines Wahlkampfs. Mehr als neunzig Prozent der Ukrainer, die an den Wahlen teilgenommen hätten, so sagte er, unterstützten einen Einheitsstaat ohne föderalen Aufbau.

Weiters würde 85 Prozent die „europäische Wahl der Ukraine“ unterstützten, alle Bereiche der Regierung sollen sich, betonte er, von diesem entscheidenden Wunsch er Ukraine leiten lassen. Es folgten Verweise auf die aktuelle Problemregionen der Landes, Poroschenko bedankte sich bei jenen Tausenden Krim-Bewohner, der außerhalb der Halbinseln an den Präsidentschaftswahlen teilgenommen hätten, sowie jenen hunderttausenden Bewohnern des Donbass, die trotz großen Risikos ihre Stimme abgegeben hätten.

Die ersten Anstrengen seines Teams würden sich auf die Beendigung von Krieges und Chaos und die Wiederherstellung von Frieden konzentrieren. „Meine erste Reise als Präsident wird in den Donbass führen“, kündigte er an. Gemeinsam mit Kiew und Witali Klitschko, dem neuen Bürgermeister, so betonte Poroschenko, wolle er mit Reformen beginnen und insbesondere Korruption bekämpfen. Aber auch Klitschko sekundierte kurz und erklärte, die Ukraine in einen „modernen, zeitgenössischen, europäischen Staat“ verwandeln zu wollen.

Nachdem Poroschenkos Pressesprecher angekündigt hatte, lediglich zwei Journalistenfragen zulassen zu wollen, wurde es letztlich nahezu ein Dutzend. Aufgrund zahlreicher Fragen russischer Medienvertreter treten sich zahlreiche Fragen um das Verhältnis zu Russland, dem derzeit - so Poroschenko - die größte Bedeutung seit zweihundert Jahren zukomme.

Für Gespräche mit dem Nachbarland gab es bereits das Format der kürzlichen Genfer Verhandlungen: „Ich bin überzeugt, dass wir mit der Russischen Föderation gemeinsam mit den USA und der Europäischen Union Verhandlungen führen können.“ Jedoch würde die Ukraine, so sagte er, nichtlegitime Referenden und die Besetzung der Krim dabei nie anerkennen.

Einmal mehr betonte Poroschenko, dass er Gespräche mit all jenen im Osten der Ukraine führen zwolle, die niemanden getötet hätten: „Kein Land in der Welt verhandelt jedoch mit Terroristen.“ Wenig überraschend kam auch schließlich auch die Ankündigung Poroschenkos, noch in diesem Jahr Parlamentswahlen anzustreben. Dies sei insbesondere ein Weg aus einer parlamentarischen Krise.

Bevor sich der Politiker zurückzog, versprach er noch „sieben Stunden“ im Mystezkyj Arsenal bleiben zu wollen. In den späten Nachtstunden wurde mit einer offiziellen Verkündigung eines vorläufigen Ergebnissen gerechnet. Zwischendurch tauchte Poroschenko aber wiederholt auf und sprach er geduldig mit internationalen Journalisten. Seine Abwesenheit wurde zudem mit Produkten aus der Hause Roschen, seiner eigenen Schokaladenfabrik, versüßt.

Aber auch der anwesende Witali Klitschko, der nach Angaben von Exitpolls am Sonntag zum Bürgermeister von Kiew gewählt wurde, geizte nicht in der Kommunikation mit Journalisten. Zudem hatte sich Witali sich zur Verstärkung zudem Brüder Wladimir an seine Seite geholt.