EU-Wahl - ORaH: Die grüne Überraschung in Kroatien

Zagreb (APA) - Die EU-Wahlen in Kroatien haben eine neue politische Option hervorgebracht. ORaH (Nachhaltige Entwicklung Kroatiens), mit der...

Zagreb (APA) - Die EU-Wahlen in Kroatien haben eine neue politische Option hervorgebracht. ORaH (Nachhaltige Entwicklung Kroatiens), mit der Akronymbedeutung „Nuss“, ist die erste Grünpartei des neuen EU-Mitglieds, die ernsthaft politisches Gewicht hat. Erst im Oktober 2013 von Ex-Umweltministerin Mirela Holy gegründet, zieht ORaH voraussichtlich mit einem Mandat ins EU-Parlament.

Mirela Holy, 42, war nach dem Vorwurf von Interessenskonflikten 2012 als Umweltministerin zurückgetreten. Zum Verhängnis wurde der ehemaligen Sozialdemokratin ein Mail, worin sie für die Frau eines Parteikollegin für einen Job intervenierte. Sie wurde darauf einfache Abgeordnete im Parlament und trat auch bald aus der SDP aus.

OraH, eine linke Partei mit Schwerpunkt auf Umwelt und Nachhaltigkeit, solle die „dritte politische Option“ in Kroatien werden, kündigte Holy an, als sie die Parteigründung bekanntgab. Dass sie so schnell wachsen würde, glaubte sie selbst nicht, wie sie in einer ersten Reaktion zugab.

Am Wahltag am 25. Mai sollte sich das jedoch bewahrheiten. „Ich gratuliere vor allem Mirela Holy. Dass man ohne Parteiinfrastruktur aus dem Stand zehn Prozent schafft, ich weiß nicht, wie sie das gemacht hat“, sagte in der Wahlnacht ihr Ex-Parteikollege, Premier Zoran Milanovic.

Kommentatoren trauen ihr zu, bei den Parlamentswahlen 2015 ein entscheidender Faktor bei der Regierungsbildung zu sein. Denn zu erwarten ist, dass die SDP und HDZ auf nationaler Ebene weiter an Stimmen verlieren werden. Holy wird voraussichtlich nicht selbst ins EU-Parlament einziehen, obwohl sie die Liste anführte. Schon im Vorfeld hatte sie das mit dem Argument abgelehnt, dass die Partei noch im Wachsen sei.

Die Ethnologin Holy (Dissertations-Thema: Ökologischer Feminismus) war, bevor sie Ministerin wurde, in der Öffentlichkeit vor allem für ihr extravagantes Erscheinungsbild bekannt: Stets dunkel geschminkt und unkonventionell gekleidet. In der Zwischenzeit hat Holy ihr „Darker“- oder „Gruftie“-Image abgestreift. Sie ist Chefin einer Agentur für Öffentlichkeitsarbeit und ist Autorin zweier Bücher, „Apokalypse“ und „Mythische Aspekte des Öko-Feminismus“.