Kostenschub lässt auch die Handy-Tarife weiter steigen

Österreich hat laut Drei-Chef Jan Trionow nach Italien Europas niedrigste Mobilfunkgebühren. Kritik gibt es an EU und dem Staat.

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Aus früher fünf Anbietern auf Österreichs heiß umkämpftem Mobilfunktmarkt wurden in den letzten Jahren drei: Nach dem Kauf von tele.ring durch T-Mobile übernahm vor knapp eineinhalb Jahren Hutchison („Drei“) den Konkurrenten Orange. Die Fusion sei weitgehend abgeschlossen, was auch die steigende Kundenzahl (insgesamt 3,5 Millionen) und deren Zufriedenheit beweise, sagte Drei-Chef Trionow gegenüber der TT. Marktführer ist weiterhin A1 mit 43 Prozent Anteil, gefolgt von T-Mobile mit 31 Prozent und Drei mit 26 Prozent. Trionow sieht Luft nach oben und will zumindest die 30-Prozent-Hürde überspringen.

Österreich habe laut einem internationalen Preistest nach Italien noch immer Europas zweitniedrigste Tarife, so Trionow. Deutschland habe zweieinhalb Mal so hohe Tarife, obwohl etwa die Bereitstellung eines flächendeckenden Netzes dort (wie auch in anderen Ländern) pro Kunden nur ein Drittel koste.

Fakten – Drei

Hutchison Drei ist eine 100 %-Tochter von Hutchison Whanpoa Limited aus Hongkong, in Österreich erfolgte der Start im Mai 2003 unter der Marke „3“. Mit 3. Jänner 2013 wurde Orange übernommen. Drei ist heute in acht Ländern vertreten.

In Tirol hat Drei insgesamt 250.000 Kunden, fünf eigene und mehrere Partnershops. Der Datenverbrauch liegt bei rund 360.000 Gigabyte pro Monat. Bekannte Businesskunden in Tirol sind unter anderen die Tiwag, die Innsbrucker Verkehrsbetriebe oder Nothegger.

In den letzten Jahren seien die Umsatzerlöse um 4 bis 5 Prozent gesunken, obwohl sich das abgewickelte Datenvolumen alle eineinhalb bis zwei Jahre verdopple. Österreich liege bei der Handynutzung und Datenübertragung im EU-Spitzenfeld, trotzdem sei der Umsatz pro Kunden fallend, betont Trionow.

Gleichzeitig gebe es einen massiven Preisschub. Der Drei-Chef verweist auf die Frequenz-Versteigerung der neuesten Mobilfunkgeneration LTE, die dem Staat über 2 Mrd. Euro eingebracht hat. Pro Kopf seien das 2,5-mal so viel wie im EU-Schnitt und sechsmal so viel wie in Deutschland. Dagegen laufen wegen der „intransparenten Methoden“ noch zwei Höchstgerichtsklagen von T-Mobile und Drei.

Massiv getroffen würden Österreichs Mobilfunkanbieter vom geplanten Aus der EU-Roaminggebühren ab 15. Dezember 2015. Das werde zwangsläufig zu Preiserhöhungen bzw. dem Streichen von nötigen Investitionen führen, weil billige Länder stark benachteiligt seien.

Die Festplattenabgabe für die Künstlerförderung, die eine Speicher-Abgabe sei, werde die Branche mit 45 Mio. Euro treffen. Der Preis für ein Handy werde dadurch um 30 Euro ansteigen.

Drei will bis Ende 2015 mit dann 6000 Netz-Standorten ein flächendeckendes 2G-, 3G- und auch 4G-Netz realisiert haben. Beim mobilen Datenvolumen (hier hat Drei 56 Prozent Marktanteil) sei Mobilfunk wichtigste Technologie für den Breitbandausbau. Dazu brauche es eine öffentliche Förderung für die Glasfaseranbindung, die aber Monopole verhindere.


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