Tiananmen-Massaker: „Mütter des Platzes“ fordern Gerechtigkeit
Peking (APA/dpa) - Die „Tiananmen-Mütter“ sind ein 1992 gegründetes Netzwerk, in dem sich die Familien der Opfer der blutigen Niederschlagun...
Peking (APA/dpa) - Die „Tiananmen-Mütter“ sind ein 1992 gegründetes Netzwerk, in dem sich die Familien der Opfer der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 zusammengeschlossen haben. An ihrer Spitze steht die Professorin Ding Zilin, deren 17-jähriger Sohn damals ums Leben gekommen ist. Die Gruppe hat eine Liste mit den Namen von 202 bekannten Toten erstellt.
Jedes Jahr schicken die „Mütter von Tiananmen“ einen Appell an den Volkskongress. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung des Militäreinsatzes, eine Liste aller Getöteten, Entschädigung für die Familien und eine Bestrafung der Verantwortlichen. Eine Antwort haben sie bis heute nicht bekommen.
Stattdessen stehen die Angehörigen unter massivem Druck der Sicherheitsbehörden. Vor dem Jahrestag werden prominente Mitglieder aus Peking weggebracht oder unter Hausarrest gestellt. Gespräche mit ausländischen Journalisten werden verhindert.
In diesem Jahr dürfen Ding Zilin und ihr Mann Jiang Peikun während des Jahrestages erstmals nicht einmal in Peking sein, wie Human Rights in China (HRiC) berichtete. Beide werden demnach in der ostchinesischen Stadt Wuxi festgehalten und dürfen erst nach dem 4. Juni zurückkehren.
Nach einem Treffen zur Erinnerung an die Opfer am 3. Mai in Peking wurden mehrere Teilnehmer festgenommen. Es laufen Strafverfahren unter anderem gegen den prominenten Bürgerrechtsanwalt Pu Zhiqiang. Er habe mit seiner Teilnahme an der Zusammenkunft eine „rote Linie“ überschritten, warfen ihm Staatsmedien vor.