Freizeit

Der Knacki, der zum Yoga fand

Nach dem Mord an einer Frau schenkte Yoga dem Leben von Dieter Gurkasch neuen Sinn.

Von Beate Troger

Hamburg –Er war ganz unten angekommen, ganz am Rande der Gesellschaft. Als Jugendlicher geriet Dieter Gurkasch auf die schiefe Bahn. Er warf Drogen ein, dealte und tötet­e beim Raubüberfall auf einen Tante-Emma-Laden eine Frau. Als er seine Strafe abgesessen hatte, scheiterte auch seine zweite Chance, wieder landete er im Knast.

Ein Yogabuch, das ihm sein­e Frau im Jahr 2000 ins Gefängnis mitbrachte, sollte sein Leben für immer verändern. „Ich war so verzweifelt, dass ich mich an jeden Strohhalm geklammert habe, der mir Entspannung oder Erleichterung versprochen hat“, erzählt er heute. Er trägt ein Lächeln auf den Lippen, seine Stimme klingt zart.

Also begann Gurkasch, im Knast der harte Kerl und Muskelprotz, in seiner Zelle Yoga zu üben. „Ich habe sehr schnell gespürt, dass ich gute Laune bekommen habe und es mir körperlich viel besser gegangen ist“, reflektiert er die Wirkung der Übungen. „Ich wollt­e einfach wissen, was Yoga ist und warum mir dies­e Mädchen­gymnastik so viel mehr bringt als Sport.“

Und er übte weiter: die Körperpositionen, die Atemübungen, las sich in die jahrtausende­alte Philosophie ein. „Mit der Zeit schenkte mir Yoga einen neuen Blick auf meine eigene Situation“, erinnert er sich. „Viele Fragen über den Sinn des Lebens kamen an die Oberfläche, ich fand Antworten und innere Freiheit.“ Die Knastkollegen hielten ihn erst für einen esoterischen Spinner, doch dann begann er, Yoga an seine Mithäftlinge weiterzugeben – und es wirkte.

Seit seiner Entlassung 2011 unterrichtet der Deutsche Yoga und Meditation hinter Gittern. „Mittlerweile gibt es in rund 10 Prozent aller deutschen Gefängnisse Yogastunden“, sagt er im TT-Gespräch. Dabei fehle aber oft der psychologisch-therapeutische Aspekt. „Yoga gilt schon allein­e aufgrund seines Alters als eine der erfolgreichsten Heilmethoden überhaupt.“ Ihm hat Yoga auch geholfen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. „Es tut mir sehr leid, dass ich anderen Menschen so viel Leid zugefügt habe“, sagt Gurkasch. „Aber ich musste diesen Weg wohl gehen. Letztlich meint es das Leben mit uns allen gut.“

Für Sie im Bezirk Kitzbühel unterwegs:

Theresa Aigner

Theresa Aigner

+4350403 2117

Michael Mader

Michael Mader

+4350403 3050

Harald Angerer

Harald Angerer

+4350403 2059