US-Regierung verteidigt Freilassung von Guantanamo-Insassen
Washington/Kabul (APA/AFP) - Die US-Regierung hat sich gegen Kritik an der Freilassung von fünf Guantanamo-Insassen im Austausch gegen einen...
Washington/Kabul (APA/AFP) - Die US-Regierung hat sich gegen Kritik an der Freilassung von fünf Guantanamo-Insassen im Austausch gegen einen von den Taliban entführten US-Soldaten verwahrt. Die „potenzielle Bedrohung“ durch die nach Katar überstellten Taliban-Mitglieder sei „ausreichend entschärft“ worden, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, am Montag dem Nachrichtensender CNN.
„Wir haben in diesem Land eine Tradition, sicherzustellen, dass unsere Kriegsgefangenen uns wieder übergeben werden, dass wir sie nicht zurücklassen.“ Eine Spezialeinheit der US-Armee hatte den Mitte 2009 in Afghanistan entführten Soldaten Bowe Bergdahl am Samstagabend in Empfang genommen.
Im Gegenzug entließ Washington die fünf Guantanamo-Häftlinge. Die Männer müssen mindestens ein Jahr im Golfemirat Katar bleiben, das den Gefangenenaustausch vermittelt hatte. „Ich kann sagen, dass wir Vertrauen haben in die Maßnahmen, die in Vereinbarung mit dem Aufnahmeland getroffen worden sind“, sagte Carney. Die Taliban-Mitglieder dürfen Katar demnach nicht verlassen und werden dort strikt überwacht.
Mehrere republikanische Kongressabgeordnete hatten scharfe Kritik an dem Deal mit den radikalislamischen Taliban geübt, die gegen die internationalen Truppen am Hindukusch kämpfen und die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verlorene Macht in Afghanistan zurückerobern wollen. Der einflussreiche Senator John McCain bezeichnete die freigelassenen Häftlinge als „hartgesottene Terroristen“. Sein Parteifreund Mike Rogers sprach von einem Präzedenzfall, der Anreize für weitere Entführungen schaffen könnte.
Die Regierung in Kabul protestierte ebenfalls vehement gegen die Überstellung der Taliban-Mitglieder nach Katar, das afghanische Außenministerium bezeichnete das Vorgehen der USA als „illegal“. Auch im US-Militär regte sich Unmut, einige Soldaten bezeichneten Bergdahl wegen der zweifelhaften Umstände seines Verschwindens als Fahnenflüchtigen.
„Bowe Bergdahl ist in Kriegszeiten desertiert und andere Amerikaner haben bei der Suche nach ihm ihre Leben gelassen“, zitierte CNN einen früheren Feldwebel, der in Bergdahls Einheit diente. Im sozialen Netzwerk Facebook gründete sich die Gruppe „Bowe Bergdahl ist KEIN Held“.
Laut CNN berichteten Soldaten aus Bergdahls Einheit, dass sich der Soldat im Juni 2009 unerlaubt von seinem Stützpunkt nahe der afghanisch-pakistanischen Grenze entfernt habe. Zuvor soll er sich in E-Mails an seine Eltern kritisch über den US-Einsatz in Afghanistan geäußert haben. Mindestens sechs US-Soldaten seien in den Tagen nach dem Verschwinden bei der Suche nach Bergdahl getötet worden.
Der mittlerweile 28-jährige Bergdahl wurde nach seiner Freilassung zur medizinischen Behandlung ins US-Lazarett Landstuhl bei Kaiserslautern geflogen. Wann er in die USA zurückkehrt, war am Montag noch unklar.