Gewinnfreibetrag macht Österreich nicht zum Steuerparadies

Wien (APA) - Gut verdienende Gewerbetreibende haben in Österreich höhere Abgaben auf ihren Gewinn als ihre Konkurrenz in Deutschland. Nur mi...

Wien (APA) - Gut verdienende Gewerbetreibende haben in Österreich höhere Abgaben auf ihren Gewinn als ihre Konkurrenz in Deutschland. Nur mit voller Ausschöpfung des Gewinnfreibetrags können sie ihre Belastung auf oder unter das deutsche Niveau drücken, rechnete Martin Grill, Chef der Steuerberatungskanzlei Ecovis Austria am Dienstag vor: „Der Gewinnfreibetrag macht Österreich nicht zum Steuerparadies“.

Bei einem Jahresgewinn von 30.000 Euro kommt ein Unternehmer in Österreich noch mit einer etwas geringeren Belastung davon: Dank Freibetragspauschale von 3.900 Euro unabhängig von den tatsächlichen Investitionen bleiben netto nach Steuern und Sozialversicherung 19.856 Euro übrig - in Deutschland sind es mit 19.741 Euro gut 100 Euro weniger.

Schon bei einem Jahresgewinn von 60.000 Euro verschiebt sich die Situation. Ohne tatsächliche Investitionen bleiben dem Unternehmer in Österreich nach Ecovis-Berechnung Netto 32.600 Euro übrig - in Deutschland sind es 34.940 Euro. Bei voller Ausschöpfung des Gewinnfreibetrags (13 Prozent des Jahresgewinns) kann der österreichische Unternehmer seine Abgabenleistung so senken, dass ihm 34.897 Euro, also fast gleich viel wie dem Konkurrenten in Deutschland übrig bleibt. „Dabei ist Deutschland kein Niedrigsteuerland. Wir haben nicht mit Ländern wie der Slowakei verglichen“, so Grill.

Erst bei hohen Gewinnen, die schon mit 50 Prozent besteuert werden, hilft der Gewinnfreibetrag dem Geschäftsmann in Österreich zu einem höheren Nettoeinkommen als in Deutschland. Von 100.000 Euro Bruttogewinn bleiben in Österreich ohne Investitionen nur 52.915 Euro übrig, in Deutschland sind es 55.486 Euro, also fast fünf Prozent mehr. Wird aber der ganze Freibetrag geltend gemacht, kann der Nettogewinn in Österreich auf 57.465 Euro gesteigert werden - das sind dann um 3,5 Prozent mehr als in Deutschland.

Um sein Nettoeinkommen über das deutsche Niveau zu steigern, muss der Unternehmer in Österreich Liquidität einsetzen, schließt Grill. Bei niedrigeren Einkommen „schafft man es gerade noch“, auf das deutsche Niveau zu kommen, erst bei hohen Gewinnen ist man bessergestellt. „Die Unternehmer bekommen durch den Gewinnfreibetrag nur die Möglichkeit, sich auf mitteleuropäisches Steuerniveau zu senken, sie wurden damit nicht reich beschenkt“ meint Grill.