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Das Kulturphänomen Donald Duck wird 80

Donald Duck hat es in den vergangenen acht Jahrzehnten zur populärsten Figur im Disney-Imperium gebracht. Nicht wegen seiner Stärken, wegen seiner Schwächen.

Von Chris Melzer, dpa

New York – Wie kann man jemanden ohne Hose auf die Welt loslassen, noch dazu vornehmlich auf Kinder? Man kann, wenn derjenige eine Ente ist und Donald Duck heißt. Um das Federvieh aus Entenhausen ist nicht nur ein ganzer Mikrokosmos entstanden, „DD“ ist längst eine Legende. Am 9. Juni feiert die Comicfigur ihren 80. Geburtstag.

Erster Auftritt in „Die kluge kleine Henne“

Walt Disney suchte nach dem Erfolg seiner „Mickey Mouse“ nach einer neuen Figur und die sollte nicht ganz so positiv wie die Maus sein. Donald schlüpfte den Zeichnern aus der Feder und in „Die kluge kleine Henne“ hatte er am 9. Juni 1934 seinen ersten richtigen Auftritt. Nett war es wirklich nicht, wie er die Hühnermama allein die Feldarbeit machen lässt. Aber die Figur war schon Donald samt Matrosenjacke (schließlich ist eine Ente ein Wassertier) und der legendären Stimme von Clarence Nash. Und er war niedlich, aber auch ganz schön gemein.

Donald wurde zum Erfolg. Immer mehr Filmchen wurden produziert und es gibt deutlich mehr mit Donald als mit Micky. Eine ganze Welt wurde um ihn herum geschaffen. In seiner Heimatstadt wohnen zwar auch Micky und Goofy, aber sie heißt Entenhausen (im Original Duckburg) und Donald, der reiche Onkel Dagobert, Freundin Daisy und die Neffen Tick, Trick und Track bestimmen das Leben in der Stadt.

Donald zog in den 1940er in den Krieg

In den 1940er Jahren zog Donald sogar in den Krieg. In „The Fuehrer‘s Face“ machte er 1943 selbst mit dem Bürzel ständig den Hitlergruß, las „Mein Kampf“ und baute Bomben für die Nazis. Schließlich erwacht er aus dem Albtraum und knutscht die Freiheitsstatue ab. Der Anti-Nazi-Propagandafilm wurde damals mit dem Oscar ausgezeichnet. In einem anderen Film kann man auf dem Einberufungsbefehl sogar Donalds zweiten Vornamen lesen: Fauntleroy! Mit diesem Wissen kann man auf Partys punkten.

„Er ist so erfolgreich, weil er eben nicht perfekt ist“, sagt Donald-Kenner Uwe Lambach. „Micky Maus wurde bis zur Langweiligkeit perfektioniert. Aber Donald scheitert so schön - und steht doch immer wieder auf und macht weiter. Jeder, der keine völlig überhöhte Meinung von sich hat, kann sich mit ihm identifizieren.“ Andere Comic-Helden mögen wirklich Helden sein. „Aber man ist nicht wie Asterix, man ist wie Donald.“ Während in den USA die Maus regiert, ist international Donald Duck populärer.

Die Ducks - Familienclan in Entenhausen:

Donald Duck:

Die bekannteste Ente der Welt ist der ewige Verlierer und Pechvogel. Der leicht aufbrausende „Donald Fauntleroy Duck“ erblickte 1934 im Kurzfilm „The Wise Little Hen“ das Entenhausener Licht der Welt. Meist misslingt dem Erpel alles, in seinen vielen Gelegenheitsjobs wird er gefeuert oder übers Ohr gehauen. Ständig ist er pleite und seinen großen Pläne zerplatzen gleich in Serie wie Seifenblasen. Auch in der Liebe will es nicht recht klappen: Er ist in Daisy verliebt, die lässt ihn aber zappeln und macht auch anderen schöne Augen - etwa Donalds Cousin Gustav Gans.

Daisy Duck:

Lange Wimpern, rosa Schleife und Pumps sind die Markenzeichen von Daisy Duck, der anspruchsvollen Langzeit-Freundin von Donald. Seit 1937 zeigt das keifende „Gänseblümchen“ dem Enterich, wo es langgeht - bisweilen auch mit brachialer Gewalt. Donald erträgt jeder Schmach von seiner Dauerverlobten klaglos, heiraten will sie ihn aber trotzdem nicht. Der Zeichner Carl Barks machte Daisy zum typisch zickigen „American Girlfriend“. Sie achtet auf Äußerlichkeiten, führt zugleich aber ein selbstbestimmtes Leben.

Dagobert Duck:

Donalds Onkel ist die reichste Ente der Welt. Der im Original nach dem Geizhals in Dickens‘ Weihnachtsgeschichte benannte „Uncle Scrooge McDuck“ besitzt „5 Fantastilliarden, 3 Gigantillionen Taler und 8 Kreuzer“ in Münzen. Sein Geldspeicher ist „10 Stock hoch und 20 Meter im Quadrat“ groß. Der 1947 von Carl Barks erfundene griesgrämige Geizkragen trägt einen schwarzen Zylinder, Zwicker, roten Gehrock und Spazierstock. Tag und Nacht grübelt er, wie er seinen Schatz besser vor der Panzerknacker-Bande schützen kann. Dazu missbraucht er vor allem seinen Neffen Donald.

Tick, Trick und Track:

Donalds clevere Neffen sollten 1937 nur vorübergehend bei ihrem Onkel einziehen - sind aber seitdem bei ihm geblieben. Die Drillinge (im Original Huey, Dewey und Louie) sind nur durch ihre verschiedenfarbige Kleidung zu unterscheiden. Sie schikanieren ihren Onkel mit vielen Streichen. Als aktive Pfadfinder im „Fähnlein Fieselschweif“ gibt es aber auch manche gute Tat. Mit ihrem schlauen Buch, das alles weiß, lösen sie allerlei Probleme und helfen Donald oft aus der Patsche.