Nordische WM 2019: Seefeld setzt auf Gastfreundschaft
Beim FIS-Kongress in Barcelona wird morgen der Ausrichter der nordischen Ski-WM 2019 bekannt gegeben. Tirol hat mit Seefeld ein Ass im Talon.
Aus Barcelona: Florian Madl
Barcelona – 25 Grad und wolkenloser Himmel – in Barcelona, wo dieser Tage der alljährliche Weltkongress des Internationalen Skiverbands FIS stattfindet, erinnert überhaupt nichts an die kalte Jahreszeit. Aber die Ski-Familie, wie sie sich gerne nennt, findet sich auch im Sommer ein, um ihre Duelle auszutragen. Diesmal geht es um die alpine Ski-WM 2019 (Aare/SWE, Cortina/ITA), aus Tiroler Sicht vor allem aber um die nordische Ski-Weltmeisterschaft. Die Gegner Seefelds: Oberstdorf (GER) und Planica (SLO), daneben Außenseiter Almaty (KAZ).
Als die Tiroler Delegation gestern um 15 Uhr zur Bewerbung in den Saal „Mare Nostrum“ einzog, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. „Du hast zehn Minuten, in denen du alles auf den Punkt bringen musst“, erklärte der Seefelder Tourismusdirektor Markus Tschoner, der mit Skisprung-Olympiasieger Ernst Vettori, Bürgermeister Werner Frießer und Tirols Sportlandesrat Josef Geisler auf die Bühne treten sollte. „Hand in Hand“, lautete das Motto. Und wenn das Englisch der Vortragenden bisweilen auch nicht mit dem Inhalt der Vorführung mithalten konnte, so sorgten die Heimischen doch für stimmungsvolle Momente. Man hatte seine Hausaufgabe gemacht, vor allem das abschließende Bewerbungsvideo sorgte unter Nostalgikern für Gänsehautatmosphäre. Die Tiroler Pluspunkte:
Sportstätten: Alles da, lautet das Motto. Das WM-Stadion bleibt ein Provisorium, die öffentliche Hand steht hinter der Finanzierung der übrigen Infrastruktur. Dazu zählt auch eine Flutlichtanlage in Seefeld und am Bergisel (jeweils 500.000 Euro) – die sollen die WM überdauern und etwa aus dem Tourneespringen einen Nachtbewerb machen ...
Gastfreundschaft: Wie Oberstdorf kann auch Seefeld im Umkreis von 25 Kilometern über 40.000 Gästebetten vorweisen. Der Unterschied: Die in Tirol sind durchwegs in höheren Kategorien anzusiedeln.
Erreichbarkeit: „Alle Sportstätten sind zu Fuß problemlos erreichbar“ wirbt Werner Frießer. Der Bürgermeister weiß auch diesbezüglich einen Vorteil auf seiner Seite – denn in Oberstdorf sind es vom Bahnhof durchaus mehr als 800 Meter, bis die Sportstätten erreicht werden können.
Budget: Die Bewerbung schlägt mit 290.000 € zu Buche, die Veranstaltung mit 17 Millionen. Das mag auf den ersten Blick viel erscheinen, auf den zweiten allerdings stellt das keine Hürde dar: Die Fernsehrechte für die Ski-Weltmeisterschaft decken den Betrag hinlänglich, auch Ticketeinnahmen und Merchandising tragen dazu bei. „Am Ende soll für den Nachwuchs sogar noch etwas übrig bleiben“, hofft Bürgermeister Werner Frießer. Bis zur morgigen Vergabe werden sich die Seefelder bei den 17 Stimmberechtigten noch ins Zeug legen – Argumente sind das eine, Überzeugungsarbeit ist das andere. Diesbezüglich leisten auch andere Mitglieder der Ski-Familie ganze Arbeit.