Serbien: Vucic dürften in Berlin unangenehme Fragen gestellt werden

Belgrad/Berlin (APA) - Dem serbischem Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic, der nächste Woche (11. Juni) Berlin besuchen soll, dürften dort ...

Belgrad/Berlin (APA) - Dem serbischem Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic, der nächste Woche (11. Juni) Berlin besuchen soll, dürften dort laut der Tageszeitung „Blic“ einige unangenehme Fragen gestellt werden. Berlin sei über Präsident Tomislav Nikolic wegen seines Treffens mit dem Duma-Vorsitzenden Sergej Narischkin verärgert, berichtete die Tageszeitung. Das Treffen fand Anfang Mai in Belgrad statt.

Unter Berufung auf ihre Quelle berichtete das Blatt, dass die Begegnung mit dem russischen Politiker, gegen den die Europäische Union wegen der Ukraine-Krise Strafmaßnahmen traf, in Berlin als eine „keineswegs freundschaftliche symbolische Geste“ gedeutet werden.

Serbien als EU-Beitrittskandidat hat sich den EU-Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen und ist derzeit weiterhin bemüht, sich „neutral“ zu verhalten bzw. zwischen seiner EU-Ausrichtung und der engen Freundschaft zu Moskau zu lavieren. Es sei an der Zeit, dass wir uns an derselben Seite wie Deutschland befänden, meinte Vucic in der Vorwoche bei der Ankündigung seiner Berlin-Reise.

Im Vordergrund der Gespräche sollen Ankündigungen zufolge Wirtschaftsthemen stehen. Zur Sprache wird laut „Blic“ auch die „ungesunde“ Situation bei serbischen Medien kommen, auf die in der Vorwoche auch die OSZE-Medienbeauftragte Dunja Mijatovic hingewiesen hatte. Vucic wies am Montag die Vorwürfe für die Medienzensur zurück.

Erst am vergangenen Wochenende wurde das regierungskritische Portal „Pescanik“ stundenlang blockiert, nachdem es eine Analyse der Doktorarbeit des Innenministers Nebojsa Stefanovic veröffentlichte. Diese wäre voll Plagiate, hieß es.

Regierungschef Vucic erklärte unterdessen, dass gemäß den polizeilichen Untersuchungen die Angriffe auf das Internetportal von zwei Internet-Adressen erfolgt seien, die mit der Regierung nichts zu tun hätten. Die Tageszeitung „Danas“ berichtete am heutigen Mittwoch, dass es sich um die Internet-Adressen des Akademischen Netzes Serbiens, eines von der Regierung gebildeten öffentlichen Unternehmens, und der privaten Megatrend-Universität handeln würde. Minister Stefanovic hatte seinen Doktortitel gerade an dieser Universität erworben.