Experten: Forschungstalente suchen das Unübliche und Stabilität

Klosterneuburg (APA) - Forschungsinstitutionen befinden sich in einem weltweiten Wettbewerb um die größten Talente. Um für Junge attraktiv z...

Klosterneuburg (APA) - Forschungsinstitutionen befinden sich in einem weltweiten Wettbewerb um die größten Talente. Um für Junge attraktiv zu sein, die unorthodoxe Zugänge verfolgen und neue Lösungswege beschreiten, brauche es ein Umfeld, das unübliches, kreatives Denken fördert und stabile Entwicklungschancen bietet, so der Tenor einer Expertenrunde Dienstag Abend am Institute of Science and Technology (IST) Austria.

Im Rennen um vielversprechende junge Forscher und in weiterer Folge um potenzielle innovative Unternehmensgründer stehen heimische Forschungseinrichtungen im Wettbewerb mit Institutionen, die in der internationalen Wahrnehmung höheres Ansehen genießen. Um mit Harvard, Stanford oder britischen Eliteunis mitzuhalten, setze man auf die Formel „Talente ziehen Talente an“, erklärte IST-Chef Thomas Henzinger beim gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) organisierten „Science-Industry Talk“ in Klosterneuburg. Forschungsschwerpunkte werden am IST Austria nur dann entwickelt, wenn es gelingt, einen internationalen Spitzenforscher auf diesem Feld als Professor an das 2009 gegründete Institut zu holen.

Die Entwicklung, die die Elite-Forschungseinrichtung seither genommen hat, sei jedenfalls „beeindruckend“, wie Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) im Rahmen der im Zeichen des fünfjährigen Jubiläums stehenden Veranstaltung sagte. Um Talente anzuziehen, die keine Scheu davor haben, sich in der Grundlagenforschung und der Industrie zu engagieren, brauche es neben wissenschaftlicher Herausforderungen ein stabiles Umfeld. In Klosterneuburg sei es gelungen, ein attraktives Karrieremodell zu etablieren. Als Schlüssel dazu führte Mitterlehner die langfristig gesicherte, großzügige Finanzierung des Instituts an.

Insgesamt hinken österreichische Einrichtungen im internationalen Vergleich aber hinterher, wenn es darum geht, naturwissenschaftlich-technische Talente im eigenen Land zu entwickeln, ins Land zu holen und langfristig zu binden, so IV-Präsident Georg Kapsch. Um aus dem aktuellen „Brain Drain“ einen „Brain Gain“ zu machen, müsse man mehr bieten als gute Lebensqualität. Es brauche Karrierechancen, gute finanzielle Ausstattung für Forschung und Entwicklung und Weiterentwicklungen des Wissenschafts- und Innovationssystems.

Talent im akademischen Bereich sei jedenfalls nicht immer gleichzusetzen mit Talent im unternehmerischen Umfeld, betonte Edward Astle, der am Imperial College London Vernetzungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft betreibt. Nicht alle Forscher wollten Entrepreneure sein, so Astle. „Die es aber wollen, müssen unterstützt werden.“

Frappante Unterschiede zwischen den Bereichen gebe es beispielsweise im Umgang mit Misserfolgen. Wenn man in der Forschung die richtigen Fragen stelle, sie methodisch korrekt ergründe und trotzdem etwas nicht wie erhofft funktioniere, dann bedeute auch das einen Erkenntnisgewinn, meinte die deutsche Biochemikerin und Biotech-Unternehmerin Helga Rübsamen-Schaeff. Im unternehmerischen Umfeld werde Misserfolg allerdings weniger positiv gesehen. In großen Organisationen und in der Politik ist es laut Astle schwierig, eine Misserfolgskultur zu etablieren, in der ein Fehlschlag den beteiligten Personen nicht auf ewig als Stigma anhaftet. In jungen und kleineren Unternehmen und vor allem an Universitäten aber könnte eine solche Sichtweise talentierte Querdenker anziehen.

Gerade im akademischen Bereich haben große Talente meist viele Angebote von hoch angesehenen Universitäten. Eine Forschungseinrichtung sei gut beraten, sich zu fragen, „warum ein Student genau zu uns kommen soll“, so Friedrich Prinz, Materialwissenschafter mit österreichischen Wurzeln an der Stanford University. Die Außenwahrnehmung einer Institution sei mitentscheidend. Auch die oft als oberflächlich und teilweise unseriös kritisierten Uni-Rankings würden eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Um nachhaltig Reputation aufzubauen, brauche ein junges Institut wie das IST Austria vor allem gute und stabile Rahmenbedingungen.