Neue Sicht auf ?s Alte: Jahresprogramm der Salzburger Bachgesellschaft
Salzburg (APA) - Die Salzburger Bachgesellschaft beschäftigt sich in der Saison 2014/2015 vor allem mit der Sicht des 19. Jahrhunderts auf B...
Salzburg (APA) - Die Salzburger Bachgesellschaft beschäftigt sich in der Saison 2014/2015 vor allem mit der Sicht des 19. Jahrhunderts auf Bach. Wie heute, Mittwochvormittag, bei einem Pressegespräch bekannt gegeben wurde, spielen romantische Rezeptionen von Bach-Stücken im kommenden Jahresprogramm eine zentrale Rolle. Langzeit-Intendant Albert Hartinger sprach von einer „neuen Sicht auf ?s Alte“.
In der fünfteiligen Reihe „Recreation“ finden sich Arbeiten von Schumann, der in seinem Opus 60 eine Fuge über die Töne B-A-C-H konstruiert hat (4. Oktober). Drei Tage später ist ein Konzert angesetzt, in dem sich die Musiker ausschließlich mit Bearbeitungen beschäftigen. Von Schumann gibt es eine Klavierbegleitung zu den Stücken für Solo-Violine. „Im 19. Jahrhundert war die heute so beliebte Literatur nicht vermittelbar, niemand wollte sie verlegen, spielen oder hören“, erklärte Florian Birsak, Cembalist, Professor für alte Musik am Mozarteum und designierter Nachfolger von Albert Hartinger als künstlerischer Leiter der Bachgesellschaft. „Auch für die Klavier-Präludien, die heute jeder Bachkenner liebt, gibt es eine Cello-Stimme von Ignaz Moscheles, die irgendwie befremdet. Aber das war eben die Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts, und die interessiert mich im kommenden Jahresprogramm. Interessant und aufschlussreich sind diese kleinen Experimente auf jeden Fall.“
Expliziten Bezug zum „Wohltemperierten Klavier“ gibt es auch im „Ludus Tonalis“ von Paul Hindemith, und wenn Birsak am Cembalo und sein Kollege Christopher Hinterhuber am Klavier einander „Fugen von Bach und Schostakowitsch um die Ohren werfen“, dann soll das „die Frische des Hörens erhalten“ und zweieinhalb Konzertstunden „kürzer wirken lassen als sie sind“, sagte der Impresario für Alte Musik.
Natürlich findet man auch die großen Sakralwerke wie die „Johannes-Passion“ und das „Weihnachtsoratorium“ im Bachgesellschafts-Jahresprogramm, und die Klassiker wie die Cello-Suiten (von Pieter Wispelwey), diverse Kantaten-Abende oder ein Konzert von Cafe Zimmermann fehlen ebenfalls nicht. Am 21. März wird der 330. Geburtstag von Bach gefeiert und zwar mit der „Kaffee-Kantate“, bei der wohl auch der sogenannte „Bachwürfel“ der Konditorei Fürst eine Rolle spielen wird. Diese von der Bachgesellschaft „als Schnapsidee“ (Hartinger) initiierte Süßigkeit ist kommerziell ein extrem erfolgreicher Dauerbrenner, der zu Bachs Jubiläum genau 30 Jahre alt sein wird.
In der Reihe „Musik für junge Leute“ gibt es heuer eine Fugenwerkstatt, bei der die Kinder Lieder mitbringen sollen, die dann spielerisch zu Fugen weiterverarbeitet werden. „Wenn es gelingt, bei zwei, drei Kindern dieses sensationelle Gefühl von Polyfonie zu vermitteln, zahlt sich das aus“, sagte Birsak. Die Bachgesellschaft bietet Kinderkonzerte seit fast 40 Jahren an und gilt in Salzburg als Pionierin der Musikvermittlung an die Jugend.
Wirtschaftlich ist die Bachgesellschaft nach Jahren finanzieller Engpässe konsolidiert, wie Gerhard Schmid, Vorsitzender des Kuratoriums, berichtete. „Die Überschuldung in der Höhe von 30.000 Euro ist dank Stadt, Sponsoren und sorgfältiger Planung durch die künstlerischen Leiter abgebaut.“ Die Bachgesellschaft hat 2013/2014 164.000 Euro umgesetzt, die je zur Hälfte aus Subventionen und zur Hälfte aus Karteneinnahmen und von Sponsoren stammen. 200 Abonnementen sorgen für eine Auslastung der Konzert von durchschnittlich 90 Prozent.
(S E R V I C E - www.salzburger-bachgesellschaft.at)