Investoren sehen VW-Kapitalerhöhung kritisch

Stuttgart (APA/Reuters) - Die Kapitalerhöhung von Volkswagen ist am Finanzmarkt auf Kritik gestoßen. Anlegern stieß auf, dass die 2 Mrd. Eur...

Stuttgart (APA/Reuters) - Die Kapitalerhöhung von Volkswagen ist am Finanzmarkt auf Kritik gestoßen. Anlegern stieß auf, dass die 2 Mrd. Euro erneut über stimmrechtslose Vorzugsaktien und nicht über die mehrheitlich von den Familien Porsche und Piech gehaltenen Stammaktien gestemmt werden. „Die Vorzugsaktionäre haben kein Stimmrecht, dürfen aber immer bezahlen“, sagte ein Fondsmanager.

VW will das frische Geld zur Finanzierung der Übernahme des schwedischen Lkw-Bauers Scania verwenden, die den Autoriesen insgesamt rund 6,7 Mrd. Euro kostet.

Der deutsche Konzern sammelte über die Ausgabe neuer Vorzugsaktien 2 Mrd. Euro ein. Die 10,47 Millionen Papiere wurden zu 191 Euro je Aktie platziert, teilte das Unternehmen mit und bestätigte damit Reuters-Informationen. Die VW-Aktie gab rund 1,5 Prozent auf 192,60 Euro nach und war damit der größte Verlierer im Dax.

Kritik an der Zurückhaltung der Stammaktionäre gab es schon früher bei VW-Kapitalerhöhungen. Neben dem Hauptaktionär Porsche SE, der von den Familien Porsche und Piech kontrollierten Holding, sind das Land Niedersachsen mit gut 20 Prozent und das Scheichtum Katar mit 17 Prozent die größten Besitzer der VW-Stammaktien. An der Börse gehandelt werden aber die Vorzugsaktien. Ein VW-Sprecher erklärte, die Vorzugsaktie sei die liquide marktgängige Aktie, und die Kapitalerhöhung werde im Rahmen bestehender Genehmigungen vollzogen. Ein Sprecher der Porsche SE wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Analysten hatten wiederholt moniert, dass VW Übernahmen mit frischen Aktien finanziert, obwohl der Konzern über genügend liquide Mittel verfüge. Ende März hatte der Autobauer im Kerngeschäft 17,7 Mrd. Euro in der Kasse. Die 6,7 Mrd. Euro teure Übernahme wird außer neben der Kapitalerhöhung mit einer Hybridanleihe über 3 Mrd. Euro finanziert, die übrigen 1,7 Mrd. Euro sollen über die Nettoliquidität gedeckt werden.

Es gab aber auch Verständnis für den Wolfsburger Konzern: Einer der Investoren sagte, es sei vernünftig, dass VW seine Barmittel schone. Angesichts seines hohen Jahresumsatzes von rund 200 Mrd. Euro und entsprechend hoher Fixkosten müsse Europas größter Autobauer jederzeit für Krisen gewappnet sein. Auch die Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) haben an der Kapitalmaßnahme nichts auszusetzen. Für sie zählt der Aktienkurs. „Die VW-Vorzugsaktie hat durch die Listung im Dax eine beeindruckende Entwicklung hingelegt - normalerweise sind Vorzugsaktien lahme Hunde“, sagte DSW-Präsident Ulrich Hocker. Dass die Stammaktionäre außen vor bleiben, kann er verstehen. „Volkswagen hat sich zu einem Familienunternehmen entwickelt - Familien tun sich mit Kapitalerhöhungen in diesem Ausmaß immer schwer“, ergänzte er.

Die Wolfsburger wollen eine schlagkräftige Allianz aus Scania und ihrer zweiten Lkw-Tochter MAN schmieden, die es mit führenden Anbietern wie Daimler und Volvo aufnehmen kann. Dazu benötigen sie den vollen Durchgriff bei Scania. Dies ist nach schwedischem Recht erst ab 90 Prozent der Anteile möglich. VW hatte den Scania-Eignern die Übernahme ihrer Anteilsscheine zum Preis von je 200 schwedischen Kronen angeboten. Erst nach einer Fristverlängerung wurde die nötige 90-Prozent-Mehrheit erreicht, um die Minderheitsaktionäre aus dem schwedischen Traditionsunternehmen zu drängen. VW verfügt jetzt mit gut 98 Prozent der Scania-Aktien über 99 Prozent der Stimmrechte.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA356 2014-06-04/14:06