Merkel beim D-Day - heute eine Selbstverständlichkeit
Caen/Berlin (APA/AFP) - Dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Freitag zu den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung in...
Caen/Berlin (APA/AFP) - Dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Freitag zu den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung in der Normandie eingeladen ist, gilt als Selbstverständlichkeit. Dabei nahm an den Feierlichkeiten in Nordfrankreich jahrzehntelang kein deutscher Regierungschef teil, eine Einladung des einstigen Erbfeindes zum Siegerfest der Alliierten war lange undenkbar.
Erstmals nahm dann 2004 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder auf Einladung von Frankreichs Staatschef Jacques Chirac an den Gedenkveranstaltungen zum D-Day teil.
Die Einladung Schröders wurde als wichtiges Symbol für die deutsch-französische Aussöhnung gewertet. In Erinnerung blieben die Bilder, wie sich Schröder und Chirac an der Friedensgedenkstätte der Stadt Caen innig umarmen. Die Geste ähnelt dem Auftritt von Schröders Vorgänger Helmut Kohl mit dem französischen Staatschef François Mitterrand auf dem Soldatenfriedhof von Verdun 1984, wo die Politiker händehaltend der Opfer der beiden Weltkriege gedachten.
Kohl nahm trotz seines guten Verhältnisses zu Mitterrand nie an den D-Day-Feiern teil, weder 1984 noch 1994. Lange Zeit hieß es, der Kanzler sei in der Normandie nicht erwünscht gewesen. 2004 schrieb der „Spiegel“ aber, in Wirklichkeit sei es Kohl gewesen, der nicht in die Normandie habe reisen wollen, obwohl Paris vorgefühlt habe. Unter anderem wegen eines persönlichen Traumas: Kohls Bruder Walter war in der Normandie schwer verletzt worden.
Bei den D-Day-Feiern 2004 gab es übrigens noch eine zweite Premiere: Erstmals nahm mit Wladimir Putin ein russischer Staatschef an den Zeremonien teil. Putin wird nun erneut in die Normandie reisen. Angesichts der Ukraine-Krise hat sein Treffen mit den westlichen Staats- und Regierungschefs eine ganz besondere Brisanz.