Grün, grüner, New York
New York galt einst als Inbegriff von Beton und Schmutz, aber das hat sich geändert. Neue Parks und Radwege entstehen. Die Metropole soll zur grünsten aller Städte werden.
New York –Noch vor wenigen Jahren war selbst vielen New Yorkern nicht bewusst, dass ihre Metropole am Wasser liegt. Verfallende Industriegebäude, Häfen und Brachflächen dominierten die Küsten. East River, Hudson River und Kanäle wie der Gowanus in Brooklyn waren dermaßen mit giftigen Abfällen verseucht, dass so gut wie niemand auch nur einen Zeh hineinstecken wollte. Die Menschen lebten mit dem Rücken zum Wasser. „Es gab an der Küste überhaupt keine Wege“, erzählt Cy Adler, der seit rund 30 Jahren in der Millionenmetropole wandert und jedes Jahr eine Gruppe Gleichgesinnter beim „Great Saunter“ (Großer Bummel) um Manhattan herumführt. „Anfangs mussten wir über Schienen kraxeln und durch Löcher in Zäunen steigen.“
Heute ist der 52 Kilometer lange Weg um die Insel zu großen Teilen ein Spaziergang durch blühende Parks. Fast die komplette Westseite Manhattans – vom Finanzviertel im Süden über das Szene-Viertel Chelsea, die Upper West Side und bis hoch nach Harlem und den Inwood Park an der Nordspitze Manhattans – ist mit Rad- und Fußgängerwegen sowie Grünflächen ausgebaut. Auch an der Ostseite der Insel tut sich immer mehr. Die einst als Inbegriff einer dreckigen, grauen Beton-Stadt geltende Millionenmetropole New York ist auf dem besten Weg, die Appelle zum gestrigen Weltumwelttag umzusetzen: Städte möglichst grün zu gestalten und Menschen vor der Erderwärmung zu schützen.
Der Wandel kam nicht nur freiwillig: In den 60er und 70er Jahren, als viele Parks verfielen und auf den Straßen der Verkehrskollaps drohte, verließen die Menschen den Smog New Yorks in Scharen. Ganze Blocks standen leer. „Die reichste Stadt des Landes atmet die schlechteste Luft“, beschwerte sich die New York Times 1969. „Die Stadt mit den meisten Parks des Landes könnte in einer Generation ohne Grünflächen sein. Die Welthauptstadt der Kunst ist die dreckigste Metropole des Landes.“
Dazu kam ein immer stärkeres Bewusstsein für die Verletzbarkeit der am Wasser gelegenen Metropole – deutlich geworden durch den Wirbelsturm „Sandy“ 2012, der große Teile New Yorks verwüstete und unter dessen Folgen die Stadt bis heute leidet. „Mit unserem öffentlichen Nahverkehr, der Dichte und der guten Struktur hat New York die Möglichkeit, ein nachhaltigerer Ort zu werden“, sagte Ron Shiffman, der seit mehr als einem halben Jahrhundert als Stadtplaner in der Metropole arbeitet, jüngst der New York Times. „Aber wenn wir diese Vorteile nicht nutzen, werden wir leiden. Und wie wir von Wirbelsturm ‚Sandy‘ gelernt haben, brauchen wir gute Pläne. Wir müssen uns steigenden Meeresspiegeln und stärkeren Stürmen anpassen.“
Ein grüneres New York sei auch angenehmer, so Shiffman. „Es wird zu einer enorm verbesserten Umgebung führen, die schöner ist und mehr offene Plätze hat. Es wird mehr Bäume geben und Pflanzen, die das Wasser absorbieren und die Hitze der Bürgersteige reduzieren, mehr Schatten bieten und an heißen Tagen eine kühlende Wirkung haben.“
Besonders im Sommer setzt New York inzwischen alles daran, seine Bewohner nach draußen zu locken – und da viele in fensterlosen Wohnungen leben, folgen sie nur allzu gerne. Neue Radwege, Sportplätze und Picknickanlagen werden an vielen Orten angelegt. Die Stadt unterstützt kleine Gemeinschaftsgärten, immer mehr New Yorker buddeln in der Erde und halten zwischen Straßenschluchten und Hochhäusern Hühner.
Das neue Naturbewusstsein, vorangetrieben vor allem in der Amtszeit von Bürgermeister Michael Bloomberg (2002–2013), hat die Stadt verändert: Am Wasser liegende Wohngegenden sind wieder begehrt. Inzwischen gilt es unter New Yorkern gar als schick, sich für die Natur einzusetzen. Stars wie die Schauspieler Edward Norton und Kevin Bacon und die Designerin Diane von Fürstenberg demonstrierten jahrelang für die Highline. Schauspielerin Bette Midler hat sogar eine eigene Stiftung für ein „grüneres, nachhaltigeres New York“ gegründet.
Und die Begrünung soll weitergehen, denn New Yorks neuer Bürgermeister Bill de Blasio hat deutlich gemacht, dass er dem Weg seines Vorgängers folgen will. Der hatte der Stadt vor seinem Abgang noch das Papier „PlaNYC2030“ hinterlassen, mit einem eindeutigen Ziel: „New York zur grünsten aller Städte zu machen.“ (dpa)