Dropout-Studie: Rektoren orten „hochschulpolitische Sprengkraft“

Wien (APA) - Die von der Universitätenkonferenz (uniko) beauftragte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zum Thema Dropout beinhalt...

Wien (APA) - Die von der Universitätenkonferenz (uniko) beauftragte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zum Thema Dropout beinhaltet nach Ansicht des Rektors der Wirtschaftsuniversität (WU), Christoph Badelt, „hochschulpolitische Sprengkraft“. Man müsse sich etwa fragen, inwieweit das „extrem liberale Studienrecht“ gerechtfertigt sei, so Badelt bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Die Studie habe „vehemente politische Implikationen“, so Badelt. „Die Zahl der belegten Studien ist eine völlig irrelevante Zahl. Es sagt überhaupt nichts aus, wie viele Personen in Österreich inskribiert sind.“ Eigentlich müsse jedes Mal im Parlament ein rotes Lamperl aufleuchten, wenn ein Politiker wieder postuliere, dass die Zahl der Studenten in Österreich nicht sinken dürfe, so Badelt in Richtung SPÖ. „Es ist völlig irrelevant, wenn die Zahl der Studenten sinkt, wenn ein großer Teil davon gar nicht studienaktiv ist.“

Die Latte von 16 ECTS-Punkten für den Status eines prüfungsaktiven Studenten sei ohnehin gering gelegt, so Badelt. Wer stolz auf 16 ECTS-Punkte pro Studienjahr verweise, müsse sich vor Augen halte, dass für die Absolvierung in Mindestzeit 60 Punkte erforderlich seien. „Rechnen Sie sich einmal aus, wie lange der dann für sein Studium braucht.“

Gleichzeitig habe die Studie gezeigt, dass vor allem zwei Gruppen von Studenten vom Studienabbruch betroffen sind: Ganz junge Studienanfänger, die mehrere Studien gleichzeitig belegen und sich erst nach einer Phase der Orientierungslosigkeit für ein Studium entscheiden, und jene, die arbeiten müssen, um sich ihr Studium zu finanzieren.

Die Politik müsse sich daher einige Fragen stellen, meinte Badelt: „Ist das extrem liberale Studienrecht, wonach jeder ungegrenzt viele Studien unbegrenzt lange studieren kann, noch gerechtfertigt?“ Für ihn sei die Antwort: „Ja, wenn es politisch gewünscht ist: Dann muss es aber auch irgendwie bezahlt werden.“ Vor allem dürfe die Politik dann aber den Hochschulen nicht Mittel anhand von Indikatoren wie prüfungsaktive Studenten oder Absolventen zuweisen.

Zweitens müsse das Problem der Studenten, die nur aus finanziellen Gründen berufstätig sind, etwa durch höhere Stipendien angegangen werden. Damit beseitige man einen der Hauptgründe für Dropouts, so Badelt. Und schließlich müsse die „hohe Orientierungslosigkeit am Anfang des Studiums“ durch mehr Information in der Mittelschulzeit angegangen werden.

Badelt persönlich würde vor allem auf Zugangsregelungen setzen - das sei aber nicht Position der uniko. An jenen Unis, an denen der Zugang begrenzt sei, würden die Dropoutraten massiv sinken. Zugangsregeln würden vor allem ein „hohes Maß an Selbstselektion“ darstellen, die Zahl der prüfungsaktiven Studenten hochschnellen. Er würde auch niemandem verbieten, mehrere Studien nebeneinander zu betreiben. „Die Frage ist aber, ob man das nicht mit ökonomischen Konsequenzen versehen soll - etwa, dass das erste Studium gratis ist, das zweite oder dritte aber nicht mehr.“ Insgesamt würde er aber „eher eine Zugangsdiskussion führen, keine Studiengebührendiskussion“.