Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld: „Damit rechneten wir nicht“
Mit 9:8 Stimmen sicherte sich Seefeld gestern den Zuschlag für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2019. Für Rivale Oberstdorf war es ein „Schlag in die Magengrube“.
Aus Barcelona: Florian Madl
Barcelona – Jubel. Ungläubiges Staunen. Wer gestern in die Gesichter der Seefelder Delegation blickte, konnte von all dem ein bisschen etwas entnehmen. Zu selbstsicher war Favorit Oberstdorf (GER) in den vergangenen Tagen aufgetreten, nach drei erfolglosen Bewerbungen hatte sich ein gewisses Maß an Überlegenheit breitgemacht. Bürgermeister Laurent Mies äußerte sich entsprechend enttäuscht: „Das ist eine Entscheidung, die für uns nicht nachvollziehbar ist.“
Seefeld erwies sich als fairer Gewinner, wie sich die 30-köpfige Abordnung schon in der Präsentationswoche als korrekter Kandidat verhielt. „Wir haben auf den Zuschlag gehofft, aber rechnen durften wir nicht damit“, gestand Bürgermeister Werner Frießer zu Freudentränen gerührt. Und tatsächlich: Seit das FIS-Council, das Wahlgremium des Internationalen Skiverbands, die Entscheidung trifft, war ein Sieg im ersten Antreten bis auf Schladming (alpine Ski-WM 2013) noch keinem Bewerber geglückt.
Seefeld genoss das Vertrauen der 17 Jury-Mitglieder, wenn der Sieg auch erst im zweiten Wahlgang folgte: Zunächst hatte Oberstdorf die Nase mit 8:6 Stimmen vorne, ehe die Stimmen der Verlierer Almaty (KAZ) und Planica (SLO) im Finale an die Tiroler gingen. 9:8, der Traum wurde Realität.
FIS-Präsident Gianfranco Kasper setzt jedenfalls großes Vertrauen in den Austragungsort Seefeld: „Man hat hier große Erfahrung und Tradition, wir werden einen würdigen Veranstalter erleben.“ Auch die überzeugende alpine Ski-Weltmeisterschaft 2013 in Schladming wäre in der Entscheidungsfindung eingeflossen.
Ein Faktor war wohl auch die Vernetzung von Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbands. Der 72-Jährige, obwohl zuletzt durch eine Verkühlung geschwächt, hatte in den vergangenen Tagen unermüdlich die Werbetrommel gerührt und damit die Weichen gestellt. Darüber sprechen wollte der Tiroler im Anschluss allerdings nicht: „Schön, dass uns das gelungen ist.“ Nun müsse man sich über die Durchführung Gedanken machen, „vorhanden wäre ja alles“.
Der Seefelder Zuschlag beschleunigt auch die Avancen von St. Anton, das sich demnächst für die alpine Ski-Weltmeisterschaft bewerben will. Noch gilt es, die nationale Entscheidung bei der ÖSV-Länderkonferenz im Juni abzuwarten (Konkurrent Saalbach
Salzburg). Die alpine Ski-WM 2019 wurde gestern übrigens an Are (SWE) vergeben, der große Favorit Cortina (ITA) unterlag neuerdings. Weitere Zuschläge: Oberstdorf (GER/Skiflug-WM 2018) und Park City (USA/Freestyle-WM 2019).
Reaktionen
Werner Frießer (Bürgermeister Seefeld): „Wir haben uns ordentlich ins Zeug gelegt, aber mit dem Zuschlag bei der ersten Kandidatur durften wir nicht rechnen. Danke an alle, die mithalfen!“
Günther Platter
(Landeshauptmann): „Das ist natürlich eine tolle Sache für das Sport- und Tourismusland Tirol! Wir dürfen uns auf ein weiteres Wintersport-Großereignis freuen.“
Hans Pum
(ÖSV-Sportdirektor): „Der Zuschlag des Internationalen Skiverbands zeigt, wie viel Vertrauen man in unsere Fähigkeiten als Veranstalter setzt. Da spielte auch die WM in Schladming mit.“
Christine Oppitz-Plörer
(Bürgermeisterin Innsbruck): „Gratulation, Gratulation, Gratulation! Eine unglaublich tolle Sache. Danke an Seefeld, die Zusammenarbeit war immer hervorragend.“
Markus Tschoner
(Tourismusdirektor Seefeld): „Ich habe bei unserer Präsentation gesagt, dass wir mit Herz beim nordischen Skisport sind. Und diese Überzeugung hat sich bei den Stimmberechtigten durchgesetzt.“