Mobilfunk

Kritik an „3“-Kooperation mit Streamingdienst Spotify

Spotify ist der größte Musik-Streamingdienst der Welt.
© EPA/RAINER JENSEN

Der Musikdienst soll in den Hallo Plus-Tarifen des Anbieters um 9,99 Euro monatlich mobil nutzbar sein, anfallendes Datenvolumen wird dabei nicht verrechnet. Die Initiative für Netzfreiheit sieht darin einen Angriff auf die Netzneutralität.

Wien - Ein „anderes Musikangebot“ verspricht der heimische Mobilfunkanbieter „3“ (Hutchison), der ab sofort mit dem Musikstreamingdienst Spotify kooperiert. Kunden mit Hallo Plus-Tarifen können um 9,99 Euro monatlich Spotify unbegrenzt am Handy nutzen, das dabei anfallende Datenvolumen wird nicht verrechnet. Damit schließe man „eine Lücke in unserem Portfolio“, so „3“-Marketing-Chef Rudolf Schrefl.

Die Kooperation komme „nicht von ungefähr“, unterstrich Schrefl bei der Präsentation am Freitagvormittag in Wien. „Sie passt zu unserem Motto ‚Es geht auch anders‘.“ Die Kunden sollen durch den einfachen Zugang zu Spotify „höchsten Musikgenuss mit höchstem Komfort“ verbinden können. „Wir haben hier eine optimale Kombination gefunden.“ Zentral sei dabei, dass das übrige Datenvolumen von diesem Zusatzpaket nicht betroffen sei, es sich also um „Musikstreaming ohne Datenverbrauch“ handle.

Zum Start der Kooperation wird es für Neukunden die Möglichkeit geben, das Spotify-Paket sechs Monate gratis zu testen. Bestehende Kunden können auf einer Webseite den Dienst aktivieren, abgerechnet wird dann über die monatliche Mobilfunkrechnung. Eine Bindung ist nicht vorgesehen, das Spotify-Paket kann unter Einhaltung einer fünftägigen Kündigungsfrist zum Ende jedes Rechnungsmonats beendet werden.

Das Prinzip der Netzneutralität, nach dem Datenpakete gleich behandelt werden müssen, sieht Schrefl von dem Angebot nicht betroffen. „Das ist hier kein Thema.“ Der Spotify-Dienst werde keine gesonderte Behandlung durch „3“ erfahren oder schneller übermittelt werden. „In diese Richtung ist nichts implementiert und auch nichts geplant.“ Zudem könnten Kunden weiterhin andere Streamingdienste nutzen, Beschwerden von Nutzern kann er sich dementsprechend nicht vorstellen: „Wir rechnen nicht mit Bröseln.“

Kritik von Initiative für Netzfreiheit

Anders sieht dies die österreichische Initiative für Netzfreiheit. „Dieser Tarif ist ein Frontalangriff auf die Netzneutralität!“, stellt Thomas Lohninger, Sprecher der Initiative, in einer Aussendung klar. Spotify erhalte durch die Ausnahme vom monatlichen Datenvolumen einen unfairen Wettbewerbsvorteil am heimischen Markt. Die Initiative verweist dabei auch auf einen ähnlichen Termin, den die Deutsche Telekom im vorigen Jahr auf den deutschen Markt brachte. „Die Strategie von Spotify ist es offenbar, in jedem Markt exklusive Verträge mit Mobilfunk-Unternehmen abzuschließen mit dem Ziel, den eigenen Dienst vom monatlichen Datenvolumen ausnehmen zu lassen. Solche vertikal integrierten Produkte verzerren den Wettbewerb massiv und lassen Hürden für den Markteintritt junger Unternehmen entstehen“, ist in der Aussendung zu lesen.

Aktuell zählt der Musikdienst 40 Mio. Nutzer in 57 Ländern, genauere Zahlen zu einzelnen Ländern - und damit auch Österreich - wurden neuerlich nicht genannt. Seit dem Start von Spotify im Herbst 2008 seien mehr als eine Mrd. US-Dollar an die Musikindustrie ausgeschüttet worden, so Zilch. Bei den Einnahmen setzt man auf ein sogenanntes Freemium-Modell: Neben dem werbefinanzierten Gratiszugang könne Premium-Nutzer um 9,99 Euro monatlich die gut 20 Mio. Songs werbefrei sowie in bessere Qualität streamen. (APA)