Strafzins und Milliarden-Kredite: Dänemark und Großbritannien
Kopenhagen/London (APA/dpa) - Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute hat die Europäische Zentralbank mit ihren Entscheidungen am...
Kopenhagen/London (APA/dpa) - Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute hat die Europäische Zentralbank mit ihren Entscheidungen am Donnerstag Neuland betreten. Dänemark und Großbritannien, beide nicht Mitglied der Eurozone, haben bereits Erfahrungen mit Maßnahmen, wie sie Europas oberste Währungshüter beschlossen haben.
- BEISPIEL DÄNEMARK:
Die dänische Nationalbank hat Erfahrungen mit einem negativen Zins auf die Einlagen der Geschäftsbanken gesammelt, den die EZB gerade beschlossen hat. Im Zuge der Euro-Schuldenkrise galt die dänische Krone als sicher und wurde bei Investoren immer beliebter. Ihr Kurs zog unaufhaltsam an. Die starke Krone verteuerte die dänischen Exporte und hatte damit einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft.
Um die Aufwertung der Krone zu bremsen und sie so für Anleger unattraktiver zu machen, senkte die dänische Nationalbank den Einlagezins im Juli 2012 von 0,05 auf minus 0,2 Prozent. Die Banken bekamen für Einlagen bei der Notenbank also nicht wie üblich Zinsen, sondern mussten sogar etwas draufzahlen - wie jetzt bei der EZB.
Diese Maßnahme hatte zwar einerseits den erhofften Effekt: Der Wert der Krone gegenüber dem Euro sank. Die Kreditvergabe der Banken kurbelte die Aktion allerdings nicht an. Zwischenzeitlich habe der negative Einlagesatz sogar zu steigenden Kreditzinsen am Markt geführt, meinten Beobachter damals. Anstatt ihr Geld weiter bei der Zentralbank zu parken, hätten viele Banken lediglich andere kurzfristige Anlagemöglichkeiten gesucht. Die Parkgebühr bei der Nationalbank wälzten sie teilweise auf ihre Kunden ab. Inzwischen ist der Einlagenzins wieder positiv.
- BEISPIEL GROSSBRITANNIEN:
Die EZB beschloss zudem ein milliardenschweres Kreditprogramm, das in Grundzügen einem Programm der Bank of England ähnelt. „Funding for Lending“, heißt es in Großbritannien - frei übersetzt: „Zentralbankgeld für Kredite“.
Grundgedanke einer Bankenfinanzierung unter Auflagen ist es, den Geldhäusern zusätzliches Billiggeld zur Verfügung zu stellen. Allerdings wird zugleich dafür gesorgt, dass das Geld in die gewünschten Kanäle fließt. Wie in Großbritannien soll im Euroraum die Kreditvergabe angeschoben werden, was das Wachstum anfachen würde. Umgekehrt soll verhindert werden, dass das Geld zu Spekulationsblasen führt oder in Staatsanleihen krisengeschwächter Euroländer investiert wird, wie 2012 schon einmal geschehen.
Im Vereinigten Königreich hat das ungewöhnliche Vorgehen recht gut funktioniert. Zwar weniger, weil die Kreditinstitute das Programm der Notenbank sonderlich stark in Anspruch genommen hätten. Die Wirkung auf die Marktzinsen blieb dennoch nicht aus: Seit dem Start des Programms im Sommer 2012 sind die Kreditzinsen stark gefallen und liegen zurzeit so tief wie nie zuvor. Beobachter sehen darin einen wichtigen Grund, warum die britische Wirtschaft boomt - die Häuserpreise tun es allerdings ebenfalls. Seit Anfang des Jahres gilt das Programm deswegen nicht mehr für Hypothekenkredite.
~ WEB http://www.ecb.int ~ APA332 2014-06-06/13:48