Architektur

Generalversammlung der Parlamente

© Biennale

Venedig – Angesichts der unübersichtlichen Flut von Informationen, mit denen viele Länder ihre Pavillons vollgestopft haben, erscheint der ö...

Venedig –Angesichts der unübersichtlichen Flut von Informationen, mit denen viele Länder ihre Pavillons vollgestopft haben, erscheint der österreichische wunderbar klar. Indem Kommissär Christian Kühn den Hoffmann-Pavillon zu einer Generalversammlung der Parlamente der Welt gemacht hat. Um seine Wände mit 196 Modellen zu bestücken, die fast wie Ornamente aus der weißen Wand zu wachsen scheinen.

Begeistert zeigte sich bei der gestrigen Eröffnung Kulturminister Josef Ostermeier (SPÖ) vom österreichischen Beitrag. Um im Weiterdenken des Satzes des vor Kurzem verstorbenen Hans Hollein, alles sei Architektur, zu behaupten, alles sei Politik. Eindrucksvoller die politische Funktion von Architektur darzustellen, wie dies hier vorgeführt wird, ist jedenfalls kaum möglich. Auch in Ländern, die mit Demokratie in unserem Sinn absolut nichts am Hut haben.

Indem alle Modelle im gleichen Maßstab von 1:500 gebaut sind, zeigen sich schön formale Muster, aber auch die unterschiedlichsten Größen, die Volksvertretungen zugestanden werden. Wobei diese erstaunlicherweise absolut nichts mit der absoluten Größe der Staaten zu tun haben müssen. Das altehrwürdige Kapitol in Washington, dessen Kuppel in rund zwei Drittel der Parlamente in der einen oder anderen Variante auftaucht, ist etwa nicht viel größer als das jemenitische Parlament. Jenes von Mexiko ist im Vergleich dazu winzig, das von Montenegro noch winziger und absolut kuppellos.

In den zwei Nebenräumen des Österreich-Pavillons geht es um zwei konkrete Projekte: Um die Geschichte bzw. Zukunft des österreichischen Parlaments, dessen klassizistische Pracht seit Jahren vor sich hinbröckelt, bzw. jenes von Tirana. Ob das gläsern dekonstruierte Projekt von Coop Himmelb(l)au allerdings je gebaut wird, steht in den Sternen. Und als poetisch verpackter Verweis, dass Demokratie heute oft im öffentlichen Raum passiert, wurde der Hof hinter dem Pavillon in einen kleinen Wald verwandelt, in dem aus Lautsprechern politische Reden bzw. Textfetzen in den unterschiedlichsten Sprachen schallen. (schlo)