Pakistanische Regierung schaltete Fernsehsender Geo ab
Islamabad (APA/AFP) - Im Streit um einen Mordanschlag auf einen Journalisten des pakistanischen Fernsehsenders Geo News hat die Regierung in...
Islamabad (APA/AFP) - Im Streit um einen Mordanschlag auf einen Journalisten des pakistanischen Fernsehsenders Geo News hat die Regierung in Islamabad den beliebten Sender vorläufig abgeschaltet. Die Medienaufsichtsbehörde setzte die Lizenz des Senders für zwei Wochen aus und verhängte eine Geldstrafe von zehn Millionen Rupees (74.400 Euro).
Hintergrund der Entscheidung ist ein Streit zwischen Geo News und dem mächtigen Militärgeheimdienst ISI wegen eines Mordanschlags auf den prominenten Moderator Hamid Mir in der Hafenstadt Karachi. Mir war bei dem Angriff im April angeschossen worden, er überlebte den Mordversuch schwer verletzt. Sein Bruder Amir Mir warf anschließend dem ISI-Chef Zaheer ul-Islam vor, hinter der Tat zu stecken. Seinen Angaben nach hatte sein Bruder ihm vorher gesagt, er fühle sich bedroht. Sollte ihm etwas geschehen, wäre Islam dafür verantwortlich. Als Geo News die Vorwürfe Amir Mirs zusammen mit einem Bild des ISI-Chefs sendete, reagierte das Militär empört und beantragte bei der Medienaufsichtsbehörde die Schließung des Senders.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete die Suspendierung von Geo News als „ernsten Angriff auf die Pressefreiheit in Pakistan“. „Es ist der jüngste Vorfall einer organisierten Kampagne zur Schikanierung und Einschüchterung des Senders wegen seiner angeblichen Voreingenommenheit gegen das Militär“, erklärte der Amnesty-Asiendirektor Richard Bennett. Der frühere pakistanische Informationsminister Javed Jabbar nannte die Entscheidung „extrem“ und rief den Sender auf, vor Gericht einen „fairen Prozess“ zu erstreiten.
Seit Beginn des Konflikts klagten zahlreiche Journalisten der Jang-Mediengruppe, zu der auch Geo News gehört, über Drohungen und Übergriffe. So wurde am Montag ein Redakteur einer Jang-Zeitung in Multan von Unbekannten verprügelt. Mir hatte den Zorn des Militärs erregt, als er ihm vorwarf, an der Entführung tausender Menschen in der unruhigen Wüstenprovinz Baluchistan beteiligt zu sein. Zwar ist die Berichterstattung in Pakistan seit der Zulassung privater Fernsehsender im Jahr 2002 sehr viel kritischer geworden, doch bleibt Kritik am Militär ein Tabu.