Wassermusiken in Melk: Schades Einstand bei den Barocktagen

Melk (APA) - Ausgiebig ist am Freitagabend die Eröffnung der Barocktage Melk unter der neuen künstlerischen Leitung von Michael Schade began...

Melk (APA) - Ausgiebig ist am Freitagabend die Eröffnung der Barocktage Melk unter der neuen künstlerischen Leitung von Michael Schade begangen worden. Nach einem Prolog in der Stiftskirche erfreute das Zefiro Baroque Orchestra mit Wassermusiken von Händel und Telemann, erst im Kolomanisaal, dann - nach einer nächtlichen Publikumsprozession ins Freie - im Park.

„Die 4 Elemente - ein musikalisches Spiel mit den Sinnen“: Dieses Motto hat der Tenor für seine erste Intendanten-Saison gewählt und seinen Einstand dem Element Wasser gewidmet. Das erste Drittel des Abends wirkte allerdings noch ein wenig disparat: ein Lully-Marsch, Begrüßung, eine von Schade gesungene Händel-Arie, die Uraufführung eines Auftragswerks von Thomas Daniel Schlee nach einem Text aus dem Johannesevangelium („Geist, Wasser und Blut“ für Altblockflöte, Bariton und Orgel) und eine bemerkenswerte Eröffnungsrede von Martin Rotheneder. Der Pater spannte einen weiten Bogen von der Gründung des Stifts und dem Hl. Koloman, der als Opfer von Vorurteil und Fremdenhass bis heute symbolhaft weiterwirke, über die Sehnsucht nach dem Paradies als Eigenschaft des Barock bis zu kritischen Anmerkungen zur Umwelt - die Elemente seien heute nur noch in vergiftetem Zustand vorhanden - und zum Vorschlag, die vier Elemente durch den Appell „Kopf hoch“ als fünftes zu ergänzen.

Sehr stimmig und vital musizierte das italienische Ensemble im Kolomanisaal unter der Leitung von Paolo Grazzi. Da erfüllte sich das Verständnis von Musik als Klangrede überzeugend unprätentiös. Durchaus eine lohnende Entdeckung bildete im Reigen der Händel‘schen „Water Musick“-Suiten die mit großem Elan interpretierte „Hamburger Ebb und Fluth“ von Telemann. Der nächtliche Spaziergang zum Wasserbecken im Park brachte zwar das Publikum in Bewegung, doch die akustischen Bedingungen outdoor erwiesen sich dem Klangbild wenig zuträglich. Der zuvor so kompakte Sound verflüchtigte sich, und man verstand, warum die Originalbesetzung des Jahres 1717 aus doppelt so vielen Musikern bestanden hatte. Mit einem Satz aus der Feuerwerksmusik als Zugabe endete der Abend mit einer Anspielung auf das Schlusskonzert am Montagabend, dem ebenso günstige Witterung zu wünschen wäre.

(S E R V I C E - 36. Internationale Barocktage Melk, bis 9. Juni, www.barocktagemelk.at)