Von Bayern München, Krieg und den Träumen des Vaters
Was der Krieg zerstörte, soll der Sohn beim Cordial Cup richten. Die Geschichte von Agon Topalli.
Von Benjamin Kiechl
Kitzbühel –Kaum war die U13-Partie Graubünden (SUI) gegen Ludwigshafen (GER) am Sportplatz in Kitzbühel angepfiffen, da hält es das Ehepaar Hamit und Kefsere Topalli nicht mehr auf seinen Sitzplätzen aus. Die Blicke sind auf die Nr. 6 der Eidgenossen gerichtet. „Das ist mein Sohn Agon“, sagt Papa Hamit stolz und zupft nervös an seinem T-Shirt. Beim Cordial Cup weicht der Vater nicht von der Seite des 13-Jährigen. Er hat sich in einer Pension in der Nähe des Mannschaftshotels einquartiert, scheut keine Kosten und Mühen, um seinen Sohn bei Turnieren zu begleiten. Rund 5000 Franken (4100 Euro) investiert er dafür pro Jahr. Kein Zuckerschlecken für einen einfachen Bauarbeiter.
„Vor 20 Jahren wollte ich selber Fußball-Profi werden, aber dann ist der Kosovo-Krieg ausgebrochen“, erzählt Topalli rückblickend. Fußball stehe in der Familie ganz oben. „Mein Bruder war Profi im Kosovo und in der Türkei.“ Hamit Topalli indes flüchtete in die Schweiz und begann am Bau zu arbeiten. „Agon soll nun meinen Traum vom Profi nachholen.“ Trotz 0:2-Niederlage von Graubünden strahlt der Vater übers ganze Gesicht, schließt seinen Sohn in die Arme und lächelt.
Ein ehrgeiziges Ziel brachte Ex-ÖFB-Nationalspieler Harald Cerny mit nach Kitzbühel. „Mit weniger als dem Titel geben wir uns nicht zufrieden“, betont der U15-Trainer des FC Bayern München. Den Vorjahres-Siegern fehlt es an nichts, sie sind im Hotel Zur Tenne untergebracht. Ob ein zukünftiger Star darunter ist? „Es waren schon viele Spieler mit 15 Jahren gut, danach hat man nichts mehr von ihnen gehört.“ Von den berüchtigten Scouts auf Talentesuche wagte sich gestern übrigens niemand aus der Deckung. „Wir haben auf jedem Platz jemanden stehen!“, hielt Cerny mit einem Augenzwinkern fest und trat ab.