Reutte

Opposition kritisiert „Billiggründe“

Die Liste „Miteinander für Ehrwald“ kann günstigen Grundstückspreis von 20 Euro nicht nachvollziehen.

Von Helmut Mittermayr

Ehrwald –In Ehrwald tut sich was. Ein Hotelprojekt mit 300 Betten und einer kolportierten Bausumme von 40 Millionen Euro hat bereits den Gemeinderat passiert (die TT berichtete). Der Grundverkauf der Agrargemeinschaft von rund 30.000 Quadratmetern um 20 Euro/m² an den – so hoffen viele – künftigen touristischen Leitbetrieb erhielt aber nicht die Zustimmung aller Gemeinderäte. Der Beschluss zum Verkauf des Agrargrundes am Wettersteinlift für das Hotelprojekt eines bekannten Außerferner Touristikers mit bis zu 300 Betten entzweite bei der letzten Gemeinderatssitzung die politischen Parteien „ehrwald.komm“ und Miteinander für Ehrwald (MfE). Einstimmig fiel noch die prinzipielle Zustimmung aller Mandatare zum Hotelprojekt aus. Während die Mehrheitspartei von Bürgermeister Martin Hohen­egg für den Verkauf um 20 Euro stimmte, waren die Gemeinderäte der MfE dagegen – auch gegen den Verkauf der ganzen Fläche von 30.000 Quadratmetern. Der MfE-Wunsch eines Pachtverhältnisses, wie es mit einheimischen Hoteliers schon eingegangen wurde, kommt für die Investorengruppe laut Bürgermeister Martin Hohen­egg nicht in Frage. Das war für die MfE eine weitere Option, die unbedingt verhandelt hätt­e werden müssen. Das Votum ging dann mit 9:5 mehrheitlich im Sinne der Bürgermeisterfraktion aus.

Die in der Abstimmung unterlegenen MfE-Gemeinderäte Peter Spielmann, Rosmarie Schöpf oder Ingrid Voel­k fragen nun provokant, ob die Agrargemeinschaften seinerzeit die besseren Verwalter des Gemeindevermögens gewesen sind. Spielmann: „Kann sich Ehrwald diesen Ausverkauf wirklich leisten? Ein Quadratmeterpreis von rund 70 Euro ähnlich wie im neuen Gewerbegebiet Ehrwald Schanz hätte für uns die Untergrenze dargestellt. Eigentlich sollte ein Grund in dieser Lage, der sonnigste Ehrwalds mit Panoramablick, zumindest 100 Euro kosten“, sagt der MfE-Mann.

„Hier werden Flächen in landschaftlich schönster Lage zu einem Spottpreis verkauft und in Bauland umgewidmet. Für eine Investorengemeinschaft, die bereit ist, 40 Mio. Euro zu investieren, darf ein angemessener Grundpreis doch keine Rolle spielen“, legen die Gemeinderätinnen Voelk und Schöpf nach. Voelk: „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir gegen das Projekt an sich wären. Überhaupt nicht. Aber die Verhältnismäßigkeit stimmt hier einfach nicht mehr.“ Der Unmut vieler Ehrwalder richte sich gegen den „Billigpreis“, da viele Einheimische Häusl­bauer bis zu 150 Eur­o bezahlen und die jungen Gewerbetreibenden im neu errichteten Gewerbegebiet einen Kaufpreis von 70 Euro hinnehmen mussten.

BM Martin Hohenegg antwortete der Opposition schon in der Sitzung, dass das Gewerbegebiet Schanz mit der aktuellen Grundfläche nicht verglichen werden könne. Das Erstere hätte vollkommen neu erschlossen werden müssen, beim anderen brauche man nur an die bestehend­e Kanalisation andocken.