Leidenschaftlicher Sammler: KHM feiert „Hausheiligen“ Leopold Wilhelm
Wien (APA) - Er zog die Kunst dem Krieg vor, schrieb Gedichte und gilt als jener Habsburger, der im 17. Jahrhundert mit Abstand am meisten p...
Wien (APA) - Er zog die Kunst dem Krieg vor, schrieb Gedichte und gilt als jener Habsburger, der im 17. Jahrhundert mit Abstand am meisten porträtiert wurde: Erzherzog Leopold Wilhelm, der jüngste Sohn von Kaiser Ferdinand II., ist in hohem Maße mitverantwortlich für die Fülle der heutigen Sammlungen des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien. Das Haus widmet dem Feingeist zum 400er nun eine Ausstellung.
Der Erzherzog wurde 1614 geboren, wuchs geistlich geprägt auf, erhielt später zwei Mal den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Krieg: „Seine Leidenschaft galt aber immer den Künsten“, erklärte Gerlinde Gruber von der KHM-Gemäldegalerie, eine von neun Kuratorinnen der sechsten „Intermezzo“-Schau, mit der das Haus einmal mehr ein Thema aus mehreren Blickwinkeln und aus dem Bestand der eigenen Sammlungen beleuchtet.
Dass die Ausstellung, die ungefähr 90 Werke im eigens konzipierten Sonderausstellungssaal sowie rund 200 weitere in der Gemäldegalerie und 40 in der Kunstkammer umfasst, unter dem Titel „Sammellust“ steht, hat einen guten Grund. Leopold Wilhelm sammelte im großen Stil, betrieb eine rege Ankaufstätigkeit und beschäftigte selbst mehr als 60 Künstler, die in seinem Auftrag tätig waren. Als mit den politischen Umbrüchen in England zahlreiche Sammlungen zum Verkauf standen, erwarb er weit mehr als 2.000 Exponate, darunter Meisterwerke von Jan van Eyck, Tizian, Raffael und Rubens.
Für KHM-Generaldirektorin Sabine Haag stand Leopold Wilhelm zwar immer ein bisschen im Schatten der anderen Habsburger, wie sie im Rahmen der Pressekonferenz am Montag erläuterte. Im zur Ausstellung erschienenen Katalog bezeichnet sie den Begründer der Gemäldegalerie aber als „Hausheiligen“, ohne den das KHM und seine Sammlungen nicht denkbar wären. Zu Lebzeiten genoss er ebenfalls einen guten Ruf: „Damals hatte man keine Jacht, sondern eine Kunstsammlung von Bedeutung, um den eigenen Rang zu unterstreichen“, schmunzelte Kuratorin Gruber.
Als Ausgangspunkt für die Schau, die ab morgen, Dienstag, bis 28. September zu sehen ist, diente dem Kuratorenteam ein Gemälde von David Teniers d.J., das den Erzherzog in seiner Galerie in Brüssel zeigt, inmitten zahlreicher Bilder, die sich meterhoch stapeln. Das Gemälde dient, gedruckt auf einen Vorhang, nicht nur als Eingangstor in den Sonderausstellungssaal; drei Bilderreihen aus dem Gemälde wurden auch herausgearbeitet und real umgesetzt - auch wenn das nicht so einfach war, da Teniers d.J. für sein Gemälde die Größenverhältnisse der Werke veränderte, wie Gruber erzählte.
Wie umfangreich und kostspielig die Sammeltätigkeit von Leopold Wilhelm war, lässt sich schwer umrechnen. Sicher sei, dass der heutige Wert der Sammlung in die Milliarden gehe, so die Kuratorin. Der Erzherzog sei zudem einer der ersten gewesen, der den Ruhm seiner Sammlung bewusst in Szene gesetzt habe. Genau das macht heute auch das KHM mit der „Sammellust“-Exhibition - und macht dabei Lust, den Sammler neu zu entdecken.
(S E R V I C E - „Sammellust - Die Galerie Erzherzog Leopold Wilhelms“, von 17. Juni bis 28. September im KHM, Burgring 5, 1010 Wien. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, hg. von Sabine Haag, 112 Seiten, 14,95 Euro - www.khm.at)
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