Justiz und Kriminalität

Elf mal zugestochen: Mordprozess gegen 28-Jährigen in Graz

Der Angeklagte stach mit einem Jagdmesser elf Mal auf seinen Kontrahenten ein. Jetzt muss er sich vor einem Geschworenensenat verantworten.

Graz – Weil er im Zuge eines Streits einen Mann durch zahlreiche Messerstiche getötet hatte, musste sich ein 28-Jähriger am Montag wegen Mordes im Grazer Straflandesgericht vor einem Geschworenensenat verantworten. Er gab an, er sei selbst vom späteren Opfer mit einem abgebrochenen Glas attackiert und schwer verletzt worden. Sein Anwalt sprach von Notwehrüberschreitung.

Der Vorfall hatte sich im September 2013 in der relativ abgeschlossenen Gemeinde der in Graz lebenden Bewohner der Dominikanischen Republik abgespielt. Obwohl der Angeklagte schon lange hier lebt und auch Österreicher ist, bewegte er sich offenbar ausschließlich in diesem Umfeld. Freundschaften, Liebesbeziehungen, aber auch Feindschaften spielen sich alle hier auf sehr engem Raum ab. Dadurch treffen auch immer wieder dieselben Menschen aufeinander, was mitunter zu Problemen führt.

„Verschwinde, ich werde ihn jetzt töten“

Staatsanwalt Hansjörg Bacher schilderte, dass der Beschuldigte mehrfach vorbestraft, aber auch das Opfer „keine Unschuldslamm“ gewesen sei. Am Tag der Tat trafen die beiden Männer in einem Lokal aufeinander, es gab zunächst kleinere Reibereien und Tätlichkeiten. Dann ging der Angeklagte vor die Tür, und plötzlich zerschnitt ihm sein Kontrahent mit einem abgebrochenen Glas das Gesicht. Daraufhin griff er zu seinem Messer und stach zu, elf Mal insgesamt. „Es ist ein massives Jagdmesser, ein richtiges Mordwerkzeug“, so der Ankläger. Eine Kellnerin wollte dazwischen gehen: „Verschwinde, ich werde ihn jetzt töten“, soll der Angeklagte zu ihr gesagt haben. „Dann versetzte er dem Sterbenden noch einen Fußtritt und verließ fluchtartig den Ort des Geschehens“, schilderte Bacher.

Prozessfortsetzung am Dienstag

Der Verteidiger sah den Vorfall als Notwehrüberschreitung, allenfalls als Totschlag. Der Angeklagte selbst gab an, große Angst gehabt zu haben, nachdem ihm das Gesicht zerschnitten worden war: „Ich wusste nicht, ob ich sterbe, da war so viel Blut, ich habe nur mehr Grau und Sterne gesehen.“ „Was haben Sie dann gemacht?“, fragte die Richterin. „Mein Messer genommen und auf ihn eingestochen“, so der Angeklagte. Laut Gerichtsgutachten weist der 28-Jährige eine „emotional instabile Persönlichkeit“ auf und hat „Probleme, seine Impulse zu kontrollieren“.

Der Prozess wird morgen um 13.30 Uhr fortgesetzt, ein Urteil wird für Dienstagabend erwartet. (APA)