Im Leben nach dem Tod ist Spielspaß Mangelware
„Murdered: Soul Suspect“ macht leider viel zu wenig aus seiner interessanten Prämisse und der stimmigen Atmosphäre von Salem. Vor allem unnötige Action-Einlagen frustrieren.
Von Lukas Schwitzer
Innsbruck - Selbst für den besten Polizisten endet die Zeit der Ermittlung für gewöhnlich mit dem eigenen Tod. Nicht aber für Ronan O‘Connor. Auf der Jagd nach einem Serienmörder wird er zum nächsten Opfer. Mit sieben Kugeln im Körper haucht er sein Leben aus – und steht doch wieder auf. Nicht in körperlicher Form allerdings, sondern als halb-transparenter Geist. Menschen sehen ihn nicht mehr, durch nützliche Gegenstände gleitet seine Hand einfach hindurch. Und um dieser Zwischenwelt zu entkommen und es endlich ins Jenseits zu seiner bereits toten Frau vorzudringen, ist in „Murdered: Soul Suspect“ noch eine letzte Aufgabe zu erledigen: Die Aufklärung der Mordserie, die das kleine Städtchen Salem erschüttert.
Das Konzept ist interessant: Ronan durchstreift die Stadt auf der Suche nach Indizien, die ihm den Weg zu seinem Mörder weisen können. Auf diesem Weg erhält er auch Hilfe von dem Medium Joy, das ihn als einziges sehen und verstehen kann. Immer wieder müssen Tatorte untersucht und Sachverhalte festgestellt werden – und das, ohne sich zwischendurch durch gesichtslose Gegnerhorden kämpfen zu müssen. Die Story motiviert auch einigermaßen, dem mysteriösen Fall doch noch auf den Grund zu gehen. Die Atmosphäre ist stimmig und die Sprecher sind zudem hervorragend besetzt.
Hoher Anspruch? Fehlanzeige
Das größte Problem von „Murdered: Soul Suspect“ ist das Fehlen jeglicher anspruchsvoller Spielmechaniken. An den Tatorten muss einfach nur die Umgebung abgesucht werden, um eine bestimmte Anzahl an Hinweisen zu finden. Diese Hinweise müssen schließlich im Multiple-Choice-Verfahren kombiniert werden, um zu einer Schlussfolgerung zu kommen. Diese Kombinationen sind manchmal schwer nachzuvollziehen, oft sogar unlogisch. Versuchen kann man sich daran aber so oft, wie man will. Bis auf die Verringerung einer völlig bedeutungslosen Bewertung ändert sich dadurch nichts. Ronan kann auch von Menschen in der Umgebung Besitz ergreifen, ihre Gedanken lesen und in spärlich gesäten Einzelfällen sogar ihre Handlungen beeinflussen. Vor Schwierigkeiten wird man auch hier nie gestellt, vor allem bei Passanten wird das Gedankenlesen schnell sehr langweilig.
Besonders ärgerlich sind die Abschnitte, in denen die Entwickler von Airtight Games offenbar auf Biegen und Brechen etwas Action ins Spiel bringen wollten. Hier begegnet man Dämonen, die auf ihren gefestigten Bahnen durch diverse Räumlichkeiten schweben und Ronan in die ewige Verdammnis befördern können. Diese muss man entweder umschleichen oder von hinten durch das Drücken einer bestimmten Button-Kombination aus dem Weg räumen. Schon nach der ersten Begegnung mit diesen Gestalten, die mittels eines Röntgen-Blicks auch durch Wände gesehen werden können, wird klar: Hier wurde nur versucht, die recht kurze Spielzeit künstlich zu strecken. Zum Spiel-Erlebnis wird dadurch nichts beigetragen. Ein völliger Verzicht auf Action und eine stärkere Konzentration auf Charaktere und Story hätten dem Spiel mehr geholfen. Denn bis auf eine Vergangenheit als Verbrecher und schier unerträglich offensive Coolness (Fedora-Hut und Zigarette dürfen nie fehlen) erfährt man von Hauptcharakter Ronan kaum interessantes.
Fazit
„Murdered: Soul Suspect“ verschwendet sein Potenzial. So hart dies klingt, es ist die Wahrheit. Die Prämisse ist interessant und die Geschichte um die Mordserie und ihre Verbindung mit den Hexenverfolgungen von Salem spannend erzählt, auch wenn sie nichts bringt, was nicht bereits aus anderen Krimis bekannt ist. Das tatsächliche Spiel-Erlebnis wurde aber leider sträflich vernachlässigt. Wer die etwa sieben bis acht Stunden Spielzeit bis zur endgültigen Lösung des Falles durchhalten will, muss mit einigen Frustmomenten und, Ja, langweiligen Abschnitten rechnen. Die kleinen atmosphärischen Lichtblicke können dies nicht wettmachen.
Unsere Bewertung: 5/10
Entwickler: Airtight Games
Publisher: Square Enix
„Murdered: Soul Suspect“ ist für PC, Playstation 3 und 4 sowie Xbox 360 und One erhältlich.
Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt von Square Enix.
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