Ukraine-Gasstreit - Bedeutung der ukrainischen Speicher
Kiew/Wien (APA) - 2006 und 2009 hat Europa bereits Kälte durch Gaskrisen erlebt. Vor diesem Szenario in den Wintermonaten warnte EU-Energiek...
Kiew/Wien (APA) - 2006 und 2009 hat Europa bereits Kälte durch Gaskrisen erlebt. Vor diesem Szenario in den Wintermonaten warnte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Montag vor Journalisten in Wien, nachdem Russland die Gaslieferungen an die Ukraine am Montag wegen Uneinigkeiten stoppte.
In den Wintermonaten sei das Gas von Gazprom für Eigen- und Außenbedarf nicht ausreichend, weswegen man Produktions- und Speichergas brauche. In den Sommermonaten wird daher das Gas für den Bedarf eingelagert. Das Speichervolumen in der EU beträgt 80 Mrd. Kubikmeter, das in der Ukraine 35 Mrd. Kubikmeter, so Oettinger. Es sei daher, das „Gebot der Stunde“ die ukrainischen Speicher zu füllen.
In den vergangenen Monaten habe Kiew seine Speicher vorausschauend im Gasstreit mit Russland durch Einkäufe von zwei auf zwölf Mrd. Kubikmeter gefüllt. Das Ziel seien aber 20 Mrd. Kubikmeter in den Speichern, um Versorgungssicherheit zu haben. Wenn die Ukraine nun jedoch aufgrund des russischen Lieferstopps seit Montag auf ihre Speicher zurückgreift, könne ein „Problem“ im Winter entstehen. „Aber wenn jetzt die Speicherkapazität genützt wird, haben wir alle ein Problem im Winter, Gazprom kann nicht mehr liefern“, erläuterte Oettinger. Zudem warnte er, dass Leitungen in der Ostukraine von Separatisten oder Dieben angebohrt werden könnten.
Aktuell besteht kein Versorgungsproblem: Derzeit sind die EU-Speicher zur Hälfte gefüllt. Aufgrund der milden Wintermonate wurden die Speicher in der EU nach Oettingers Worten weniger entleert. Auch die österreichischen Gasspeicher sind gut gefüllt, selbst bei einem völligen Importstopp würden die Vorräte noch bis Februar 2015 reichen, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Rund 60 Prozent des heimischen Gasverbrauchs werden durch Gas aus Russland gedeckt.
„Für jene Länder, die in den letzten Jahren keine Vorkehrungen getroffen haben und in hohem Maße von russischen Gaslieferungen über die Ukraine abhängig sind, wie Bulgarien oder Serbien, könnte es allerdings schon bald zu Schwierigkeiten bei der Versorgung kommen“, warnte E-Control-Chef Walter Boltz.
50 Prozent des Gases vom russischen Konzern Gazprom nach Europa laufen durch die Ukraine, betonte der EU-Energiekommissar die „strategische Funktion“ der Ukraine beim Transit. Seit Montag 08:00 MEZ hat die Ukraine nach Oettingers Worten eine „reine Transitfunktion“ und „kein Recht mehr“ Gas zu entnehmen, da Verhandlungen mit Russland wegen offener Zahlungen und Preisdifferenzen gescheitert waren. Die EU-Kommission teilte mit, dass die russischen Gaslieferungen in die EU nach dem Lieferstopp nicht gestört seien.
Kiew steht „am Rande der finanziellen Zahlungsunfähigkeit“, Stagnation und Rezension, sagte Oettinger. Im Schnitt beziehe die Ukraine von Gazprom 28 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr, rund zwei bis drei Mrd. pro Monat.
~ WEB http://www.gazprom.com/ ~ APA410 2014-06-16/14:53
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