Pakistans Armeeoffensive: Finaler Kampf gegen die Terroristen?
Islamabad (APA/dpa) - Jahrelang hat Pakistan gezögert, internationalem und heimischem Druck zum Trotz. Am Sonntag nun hat die pakistanische ...
Islamabad (APA/dpa) - Jahrelang hat Pakistan gezögert, internationalem und heimischem Druck zum Trotz. Am Sonntag nun hat die pakistanische Armee in der Region Nord-Waziristan im Nordwesten des Landes eine Bodenoffensive gestartet. Die Truppen sollen die Terroristen, die sich dort verstecken, aufspüren, ihre Rückzugsgebiete zerstören - und sie ein für allemal besiegen.
Nord-Waziristan, eine von sieben Stammesregionen Pakistans, liegt an der Grenze zu Afghanistan. Seit Jahren ist die Region in den Schlagzeilen - als Schlupfwinkel für Al-Kaida-Anhänger sowie lokale und ausländische Militante, die mit der Terrororganisation zusammenarbeiten. Von dort aus sollen immer wieder Angriffe innerhalb Pakistans und auch im Ausland vorbereitet worden sein.
Doch wieso kommt die Militäroffensive jetzt? Warum das lange Zögern, gegen die Islamisten vorzugehen? Der pakistanische Verteidigungsexperte Hasan Askari Rizvi erklärt das damit, die pakistanische Armee habe lange geglaubt, die Extremisten an einem Ort lokalisiert zu haben - und angenommen, von ihnen ginge keine große Gefahr für das Land aus. Doch Anschläge wie der auf den Flughafen in Karachi an Pfingstsonntag mit mehr als 40 Toten und einer 17 Stunden langen Sperrung des bedeutsamsten Airports des Landes hätten die Einschätzung der Bedrohungslage geändert. Der Anschlag sei eine „peinlich für die Sicherheitskräfte“ gewesen, sagt Rizvi.
Der zweite Grund für die Offensive ist nach Einschätzung des Fachmanns der baldige Abzug der NATO-Kampftruppen aus Afghanistan. Die Regierung in Islamabad befürchte, die Taliban könnten ein Machtvakuum in Afghanistan nutzen, um verstärkt das Nachbarland Pakistan zu destabilisieren. „Die Armee kannte die aufkommende Bedrohung aus Nord-Waziristan und war schon im März erpicht darauf, die Militäroperation zu starten“, sagt der emeritierte Professor. Doch damals sei die Regierung noch nicht bereit dazu gewesen. Sie habe erst Friedensgesprächen mit den Taliban eine Chance geben wollen.
Pakistans Premierminister Nawaz Sharif hatte die Verhandlungen im Jänner angekündigt, doch schon bald gerieten sie ins Stocken. Die Taliban forderten, alle ihre Gefangenen freizulassen und in Nord-Waziristan eine Friedenszone für sie einzurichten.
Laut Pakistans Verteidigungsminister Khawaya Asif soll die jetzige Operation „Sarb-e Asb“ - benannt nach einem Schwert des Propheten Mohammed - zehn bis zwölf Jahre Gewalt in Pakistan beenden, der rund 50.000 Menschen zum Opfer gefallen seien. „Der Einsatz wird so lange dauern, bis die Übeltäter aufgeben oder beseitigt sind“, sagte Asif am Sonntag vor Journalisten. „Wir haben bereits einen hohen Preis bezahlt und kämpfen nun einen endgültigen Krieg“, sagte er.
Ob die Operation, die pakistanische Medien als letzte Runde im Kampf gegen die Taliban bezeichnen, erfolgreich sein kann, darüber teilen sich die Meinungen. Der pensionierte General Talat Masood sagte dem Fernsehsender „Express TV“, der Schlag werde erfolgreich enden, weil er von langer Hand geplant war und die Armee sowohl Bodentruppen als auch die Luftwaffe einsetze.
Der Sicherheitsexperte Rasul Bux Raees betonte bei „Dunya TV“, fast alle politischen Kräften im Land unterstützten den Einsatz, was seine Chance auf einen Erfolg erhöhe.
Die Taliban haben angekündigt, zurückzuschlagen. Am Montag forderten sie ausländische Organisationen auf, das Land zu verlassen - andernfalls würden diese zum Ziel von Anschlägen. Doch ihre Möglichkeiten sind begrenzt; für den Bodenkampf gegen eine professionelle Armee sind die Taliban nicht ausgebildet. Wahrscheinlicher ist, dass sie flüchten werden, glaubt Rizvi - wie schon 2009 über die Grenze ins afghanische Süd-Waziristan. „Die Kämpfe werden in ein paar Wochen vorbei sein“, glaubt er. „Die Militanz aber nicht.“
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