Der Hallodri und der Cellist
Henry Hübchen kann die Verfilmung von Markus Werners „Am Hang“ nicht retten.
Innsbruck –Zwei Männer unterhalten sich über Frauen. Der Anwalt Thomas Clarin (Max Simonischek) gefällt sich in der Rolle des Hallodris und erzählt von seiner letzten Eroberung. Er goutiert Frauen nach deren Reifegrad. Diese Sprache, die zur Beschreibung von Käse verwendet wird, findet nicht die Zustimmung des Cellisten Felix (Henry Hübchen), der seit dem Tod seiner Frau Nachrichten auf deren Mailbox hinterlässt, als wollte er das Endgültige nicht wahrhaben. Trotzdem, um sich ein Bild machen zu können, verlangt Felix nach dem Namen der leidenschaftlichen Geliebten seines neuen Freundes. Für die indiskrete Preisgabe des Namens (Valerie) muss auch Felix die an einem Gehirntumor Verstorbene (Bettina) benennen. Valerie und Bettina werden in Rückblenden von Martina Gedeck ohne große Begeisterung gespielt. Das ist nach wenigen Minuten die erste gravierende Schwäche von Markus Imbodens Verfilmung von Markus Werners Bestseller „Am Hang“, in dem die Identität der Frauen lange verborgen bleibt. Möglicherweise ist diese Enthüllung den Redakteuren der koproduzierenden TV-Anstalten geschuldet, die nichts mehr fürchten als das mit einem Geheimnis verhüllte Kammerspiel, das vor seiner Umwandlung in einen Thriller nach Gewissheiten verlangende Zuschauer verlieren könnte.
Zuschauer, das weiß man seit Hitchcock, sollten den Figuren immer etwas voraus sein, um beim Fortgang der Handlung mitbangen zu können, aber sie sollten nie alles wissen. Wie sich ein Kamingespräch über eine Frau zu einem spannenden Dialogduell entwickeln kann, haben 1972 Michael Caine und Laurence Olivier in Anthony Shaffers raffiniertem Kammerspiel „Mord mit kleinen Fehlern” vorgeführt. Obwohl Henry Hübchen („Alles auf Zucker”) in der Liga der britischen Stars mitspielen kann, zwingt ihn der Regisseur zu schwerfälliger Betulichkeit. Nur die Tessiner Landschaft hält, was sie verspricht. (p. a.)
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