Bachmann-Preis - Birgit Pölzl: „Das Schreiben ruft mich einfach“
Graz/Klagenfurt (APA) - Sie schickt Figuren aus ihrem Roman „Das Weite suchen“ in ihren neuen Arbeiten „auf Aventüre“, und sie weiß, wovon s...
Graz/Klagenfurt (APA) - Sie schickt Figuren aus ihrem Roman „Das Weite suchen“ in ihren neuen Arbeiten „auf Aventüre“, und sie weiß, wovon sie spricht. Die 1959 geborene Grazerin Birgit Pölzl, war selbst monatelang allein in Tibet, Nepal und Indien unterwegs. Sie studierte Germanistik und baute im Kulturzentrum Minoriten das Literatur-Ressort auf, dessen Leitung sie innehat. Ab 2. Juli tritt sie beim Bachmann-Preis an.
APA: Was hat Ihr Interesse an Literatur geweckt?
Birgit Pölzl: Das Interesse gibt es, solange ich denken kann. Meine Großmutter hat mir immer Geschichten erzählt, ich selbst habe Geschichten erzählt. Zu schreiben habe ich nicht sehr früh begonnen. Während meines Germanistik-Studiums ist mir klar geworden, ich will nicht im stillen Kämmerlein schreiben. Ich will literarisch-poetische Strukturierung, um Erkenntnis zu gewinnen. Es ist eine Verdichtung von Weltwahrnehmung über literarisch-metaphorische Prozesse.
APA: Was bedeutet Schreiben für Sie?
Pölzl: Es ruft mich einfach. Das Schreiben erfordert viel Selbstdisziplin, bringt aber auch so viel Freude. Ich bin im fiktionalen Rahmen präsent. Schön finde ich, dass etwas in mir mehr weiß als ich.
APA: Wie haben Sie es geschafft, immer Zeit zum Schreiben zu finden bei vier Kindern, Studium und dann Ihrer Arbeit im Kulturzentrum bei den Minoriten?
Pölzl: Ich habe immer genaue Zeiten zum Schreiben, immer am Vormittag zwei bis vier Stunden. Ich arbeite zuhause in einem eigenen Schreibzimmer. Schreiben ist wie das Spielen eines Instrumentes, man muss es immer üben.
APA: Welche Themen beschäftigen Sie im Moment?
Pölzl: Es sind erzählende Texte, ich schicke die Figuren aus meinem Roman „Das Weite suchen“ auf Aventüre, wie in den Arthurischen Romanen, wo sie dann zurückkommen und berichten. Derzeit arbeite ich an einer Geschichte, die in Griechenland spielt. Ich weiß aber nicht, ob mich alle Figuren so inspirieren.
APA: Was werden Sie in Klagenfurt lesen?
Pölzl: Eine Geschichte, die auch eine Figur aus einem meiner Romane aufgreift.
APA: Welche Bedeutung hat das Werk Ingeborg Bachmanns für Sie?
Pölzl: Ich habe mit 16, 17 Jahren die ersten Gedichte gelesen, die mich sehr beeindruckt haben. Später haben mich aber noch stärker die Erzählungen und Kurzgeschichten fasziniert, vor allem auch das in Einklang Bringen der politischen und ästhetischen Seite der Texte.
APA: Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf den Bachmann-Preis?
Pölzl: Ich würde gern gewinnen (lacht). Es geht mir darum, mich auszusetzen. Dieses Gefühl tut meiner Entwicklung gut, wie auch die Reisen. Auch vor dem Hintergrund, dass ich selbst kuratiere.
(Das Gespräch führte Karin Zehetleitner/APA)
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