Entscheidung über neue Talstation dauert Klier zu lange
Der Chef der Wintersport Tirol AG Reinhard Klier spricht über den Gletscherrückgang und den umkämpften Sporthandelsmarkt.
Herr Klier, Sie leiten mit dem Stubaier Gletscher das größte Gletscherskigebiet Österreichs. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Gletscherskilaufs ein?
Reinhard Klier: Grundsätzlich positiv. In den Anfängen des Gletscherskilaufs, vor einigen Jahrzehnten, dachte man noch an den Sommerskilauf als Zugpferd. Das ist mittlerweile kein Thema mehr. Wir machen unser Geschäft wie andere auch im Winter mit dem Vorteil einer langen Wintersaison von acht Monaten.
Welchen Effekt hat der Rückgang des Gletschers?
Klier: Die Saison könnte sich um einen Monat verkürzen. Doch das Ganze wird dramatisiert. Ein massiver Gletschervorstoß hätte schwerwiegendere Folgen.
Warum?
Klier: Die Winter würden länger und kälter, der vorrückende Gletscher würde unsere Einrichtungen beiseiteschieben. Der Gletscherrückgang als Auswirkung des Klimawandels gefährdet hingegen unseren Betrieb nicht. Selbst in ferner Zukunft, falls die Gletscher einmal sehr klein oder gar verschwunden sein sollten, werden Skifahrer in diesen Höhenlagen noch immer optimale Bedingungen vorfinden.
Sie wollen die Talstation verlegen, steht man schon vor der Umsetzung?
Klier: Die Planung ist sehr weit. Wir warten jedoch seit eineinhalb Jahren auf die politische Weichenstellung. Das Projekt ist eigentlich im Regierungsabkommen verankert. Doch die Entscheidung dauert einfach viel zu lange. Ich schwanke zwischen Hoffen und leichter Verzweiflung. Die Lebenszeit der alten Bahn neigt sich dem Ende zu, die Verfahren und die Bauzeit für die neue Bahn werden mindestens drei Jahre dauern. Während dieser Zeit muss die alte weiterlaufen. Und deswegen hoffe ich auf eine Entscheidung in den nächsten Wochen. Denn vielleicht müssen wir die alte Bahn einstellen und die neue existiert noch nicht. Das wäre eine Katastrophe für das ganze Tal.
Sie betreiben neben dem Gletscherskigebiet auch das Sporthaus Okay in Innsbruck, Intersport im Kaufhaus Tyrol und Intersport am Gletscher. Wie beurteilen Sie die Sporthandelsbranche in Tirol?
Klier: Im städtischen Bereich ist der Markt sehr hart umkämpft, Innsbruck ist überbelegt. Am Gletscher selbst ist der Mitbewerb nicht so groß. Dort ist jedoch das Kundenpotenzial nicht unbegrenzt. Die Spannen sind am Gletscher etwas höher als in der Stadt.
Wollen Sie im Sporthandel expandieren?
Klier: Wir betreiben seit knapp einem Jahr einen Online-Shop. Der Online-Handel wird immer wichtiger, man darf ihn nicht außer Acht lassen, sonst macht das jemand anderer. Doch auch im Online-Handel ist das Geld nicht leicht verdient, die Retouren machen diesem Bereich zu schaffen.
Wie häufig kommt es vor, dass jemand ein Teil zurückschickt, da es ihm nicht passt?
Klier: Über das Gesamtsortiment gesehen sind es im Schnitt 20 Prozent. Wesentlich höher liegt dieser Prozentsatz im Bereich Textilien und Schuhe mit bis zu 50 Prozent.
Wie viel vom Umsatz im Sporthandel erwirtschaften Sie online?
Klier: Das Geschäftsjahr ist zwar noch nicht um, doch ich rechne mit 10 Prozent. Langfristig wollen wir den gleichen Umsatz wie im stationären Handel erwirtschaften.
Was halten Sie vom Brückenschlag, der Verbindung der Axamer Lizum mit der Schlick?
Klier: Ich verstehe die Neustifter Hoteliers, für die jede neue Seilbahn eine Erhöhung der Auslastung darstellt. Der Brückenschlag ist kein einfaches Projekt, man hat oft das Gefühl, es sollen Verluste reduziert werden. Das ist keine besonders attraktive Perspektive.
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