„Philosophie für Nichtakademiker“: Schweizer Autor Pascal Mercier 70
Bern/Berlin (APA/dpa) - Weit oben anzukommen auf den Bestsellerlisten sowohl des Sachbuchs als auch der Belletristik - das hat der Schweizer...
Bern/Berlin (APA/dpa) - Weit oben anzukommen auf den Bestsellerlisten sowohl des Sachbuchs als auch der Belletristik - das hat der Schweizer Peter Bieri unter zwei Namen eindrucksvoll geschafft. Unter seinem Geburtsnamen publiziert er als Philosoph. Sein unter dem Pseudonym Pascal Mercier geschriebene Roman „Nachtzug nach Lissabon“ wurde ein Welterfolg. Am 23. Juni wird er 70.
Grundlagen für diesen Doppelerfolg legte der Berner, der seit langem in Berlin lebt, schon bei der Wahl seiner Studienfächer. Nach Indologie und Anglistik in London belegte er in Heidelberg Philosophie und Klassische Philologie. Stets hat ihn das Nachdenken über das Sein ebenso interessiert, wie die sprachlichen Möglichkeiten, dessen Ergebnisse verständlich und womöglich fesselnd zu Papier zu bringen.
Kein einziges Wort zu verwenden, das nicht jedermann versteht, war Bieris erklärter Anspruch, als er begann, „Das Handwerk der Freiheit“ (2001) zu schreiben. Das gelang ihm bestens. Auch deshalb war diesem wissenschaftlichen Hauptwerk des Professors der Philosophie - unter anderem in Bielefeld, Heidelberg, Marburg und Berlin - Erfolg beschieden.
Dass die Methode sich prima für das schriftstellerische Handwerk eignet, erlebte Bieri bei der Arbeit an seinem Literaturdebüt. Der vielschichtige psychologische Roman „Perlmanns Schweigen“ erschien 1995 unter Pseudonym. Wohl auch, weil Bieri fürchtete, in der Welt der Wissenschaft verspottet zu werden, sollte der Ausflug in die Literatur ein Misserfolg werden.
Das erwies sich als unbegründet, aber dem Namen Mercier blieb er fortan bei allem Belletristischen treu. 1998 wurde auch „Der Klavierstimmer“ ein Erfolg. Sechs Jahre später dann der internationale Durchbruch mit „Nachtzug nach Lissabon“.
Der Roman um den Berner Altsprachenlehrer Raimund Gregorius, der eines Tages aus dem eingefahrenen Trott ausbricht und sich auf eine abenteuerliche Sinnsuche begibt, wurde weltweit zu einem der meistverkauften Bücher eines Schweizer Autors. Mit Jeremy Irons in der Hauptrolle war die Verfilmung des „Bewusstseinskrimis mit Tiefgang“ („Die Zeit“) 2013 einer der größten Kinoerfolge des Jahres.
Oft gelang dem Schweizer eine „seltene Synthese, nämlich philosophisches Denken erzählerisch zur Darstellung zu bringen“, lobte die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) den Wahl-Berliner. Damit gleiche sein Werk auch einer Art „Philosophie für Nichtakademiker“.
Seine Grundthemen ziehen sich auch durch das literarische Schaffen. Dabei gehört für den multilingualen Denker - er beherrscht Französisch, Englisch, Latein, Hebräisch sowie Sanskrit und begann in den letzten Jahren auch Russisch und Arabisch zu lernen - das Recht des Menschen auf ein möglichst hohes Maß an Freiheit wie ein Zwilling zum Recht auf Würde.
Aus beidem ergibt sich für Bieri auch der Anspruch, selbstbestimmt sterben zu dürfen - bis hin zur weithin umstrittenen Frage eines Rechtsanspruches auf Unterstützung zur Selbsttötung. Besonders deutlich brachte er das 2013 im Essay „Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde“ zum Ausdruck. Zur vollkommenen Selbstbestimmung gehöre es, so erklärte der Philosoph laut NZZ bei einer Debatte darüber, „dass jeder sein eigenes Verständnis von Würde haben kann und darin respektiert werden muss“.
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