Fußball-WM: Friedenspolizei in Favela: „Gekommen, um zu bleiben“

Rio de Janeiro (APA) - Die Favela Jacarezinho wird von Brasiliens Regierung und Polizei immer wieder als positives Beispiel genannt, wenn es...

Rio de Janeiro (APA) - Die Favela Jacarezinho wird von Brasiliens Regierung und Polizei immer wieder als positives Beispiel genannt, wenn es um die umstrittene Befriedung von Armenvierteln geht. Seit dem Einmarsch der sogenannten Friedenspolizei UPP (Unidade de Policia Pacificadora) herrscht in der drittgrößten Favela von Rio wieder Recht und Ordnung - behauptet zumindest Joao Ferreira, der UPP-Chef von Jacarezinho.

Vor der UPP-Übernahme im Dezember 2012 sei der Alltag in der Favela von massiver Gewalt geprägt gewesen, sagte Ferreira im APA-Gespräch. „Alles wurde von den Drogenbanden kontrolliert, sogar Kinder sind bewaffnet auf der Straße herumgelaufen“, sagte der 47-Jährige.

Mittlerweile könne man sich aber bei Tageslicht unbehelligt durch die engen Gassen der 80.000-Einwohner-Siedlung bewegen. „Die Kriminalität hat extrem abgenommen, es hat in den letzten Monaten fast keine Festnahmen gegeben, und manchmal können wir sogar schon ohne Pistole patrouillieren“, sagte Ferreira.

Dies ist aber nicht die Folge davon, dass alle Kriminellen verhaftet wurden oder plötzlich seriösen Tätigkeiten nachgehen - die meisten von ihnen verzogen sich an die Peripherie, in Siedlungen außerhalb Rios, wo es keine staatlichen Autoritäten gibt. „Doch die Strategie der UPP ist es, immer weiter zu wachsen. Irgendwann werden wir dann alle Favelas befriedet haben“, erklärte Ferreira.

Für viele Bewohner Rios, vor allem jene aus der Unterschicht, kommt dies einer Schreckensvision nahe. Die Polizei hat nicht nur am Zuckerhut, sondern in ganz Brasilien das Image einer korrupten und rücksichtlosen Schlägertruppe. Dies gilt auch für die UPP, deren Einsatzkräfte oft verdächtigt werden, in Favelas mit Capos aus der Drogenszene zu kooperieren.

Ferreira wies diese Anschuldigungen zurück und erzählte lieber von einer Imagekampagne der UPP in den Favelas. „Wir wollen, dass die Menschen verstehen, dass wir nicht Feind, sondern Freund sind. Deshalb wollen wir unbedingt ein neues Bild der Polizei kreieren“, sagte Ferreira.

In diesem Zusammenhang setzt die UPP auf umfangreiche Kommunikation. „Wir suchen den engen Kontakt mit der Bevölkerung, engagieren uns in vielen Projekten und informieren die Menschen, was wir hier tun und warum“, meinte der UPP-Beamte.

Zu den Tätigkeiten der Friedenspolizei zählen unter anderem Schulbesuche. „Dort diskutieren wir mit den Eltern und vor allem mit den Kindern. Die sind die wichtigsten, denn sie sind die nächste Generation.“ Seine Arbeit vergleicht Ferreira mit jener eines Gärtners. „Die Favela ist der Garten. Ich will hier neue Pflanzen setzen und hoffe, dass am Ende ein wunderschöner Garten entsteht.“

Wie viel Zeit ihm zum Kultivieren bleibt, ist allerdings offen - bisher gab die Regierung noch nicht bekannt, ob man sich die massive Polizeipräsenz in den Favelas auch nach der Fußball-WM und den Olympischen Spielen 2016 leisten kann. „Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es die UPP weiter geben wird, egal wer in der nächsten Regierung sitzt. Wir sind gekommen, um zu bleiben“, erklärte Ferreira.

Dies sei auch im Sinne der Bevölkerung von Jacarezinho. „Die Leute hier sind glücklicher und zufriedener, seit wir hier sind“, meinte der Sicherheitsbeamte. Der Salesianerpater Carlos Sebastiao da Silva, Leiter einer von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ unterstützten Schule samt Jugendzentrum für rund 900 Kinder, stimmte dieser Aussage nur bedingt zu. „Die Gewalt ist nicht mehr sichtbar, aber sie ist nach wie vor da. Und der Drogenhandel geht weiter“, erzählte der Ordensmann.