Deutsche Energieexpertin erwartet keine steigenden Gaspreise

München (APA/AFP) - Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, rechnet wegen der russische...

München (APA/AFP) - Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, rechnet wegen der russischen Gas-Sperre für die Ukraine nicht mit steigenden Gaspreisen für die Verbraucher in Deutschland. „Im Moment müssen wir uns da keine großen Sorgen machen“, sagte Kemfert am Dienstag im Bayerischen Rundfunk.

„Die Nachfrage ist relativ gering, die Lieferengpässe werden überschaubar sein und man wird es aus anderen Quellen kompensieren können“, sagte Kemfert.

Die Frage sei, wie lange der Gasstreit zwischen Moskau und Kiew andauere, sagte die Expertin. Russland könne aber auch die Gaspipelines durch die Ukraine umgehen. Es gebe andere Transportrouten wie die Ostseepipeline, die stärker befüllt werden könnten. „Auch so kann Russland seine Gaslieferverpflichtungen an Europa erfüllen“, sagte Kemfert.

In einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstagsausgabe) sprach sich Kemfert für eine breitere Auffächerung der deutschen Energie-Bezugsquellen aus. „Wir müssen Gas aus möglichst vielen Staaten beziehen, um die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern“, forderte sie. Zudem müsse das Pipeline-System innerhalb Europas besser ausgebaut werden, um die Versorgung der osteuropäischen Partner zu verbessern. „Westeuropa ist gut auf einen möglichen russischen Gas-Boykott vorbereitet, Osteuropa allerdings dagegen nicht“, sagte Kemfert.

Moskau hatte der Ukraine am Montag den Gashahn zugedreht und will das Nachbarland fortan nur noch gegen Vorkasse beliefern. Zuvor waren Verhandlungen zwischen den beiden Nachbarstaaten über ausstehende Gasrechnungen und künftige Preise vorerst gescheitert. Der russische Staatskonzern Gazprom warnte daraufhin, dass es auch zu „Störungen“ bei den Gaslieferungen in die EU kommen könnte.