Fußball-WM: Organisationsexperte Palme auf Beobachtungstour in Rio

Rio de Janeiro (APA) - Ein Österreicher schaut den Organisatoren der Fußball-WM in Brasilien derzeit ganz genau auf die Finger. Heinz Palme ...

Rio de Janeiro (APA) - Ein Österreicher schaut den Organisatoren der Fußball-WM in Brasilien derzeit ganz genau auf die Finger. Heinz Palme weilt in seiner Funktion als Generaldirektor-Stellvertreter des International Centre for Sport Security (ICSC) mit Sitz in Doha bis Sonntag in der Final-Stadt, um sich einen Eindruck vom Ablauf der Spiele im Maracana zu verschaffen.

Dabei geht es vor allem um Wissenstransfer - das heißt, die wichtigsten Erkenntnisse aus der WM 2014 und den vorangegangenen Endrunden zu sammeln und sie den künftigen Organisatoren zu übermitteln. „Da ist in der Vergangenheit viel versäumt worden, und wir kümmern uns jetzt im Auftrag der FIFA darum“, erzählte Palme.

Das ICSC hat sich laut dem Steirer mittlerweile einen hohen Stellenwert in der Welt des Sports erarbeitet. „Wir sind das einzige Zentrum für Sicherheit im Sport weltweit. Es gibt zwar eine WADA, aber im Sicherheitsbereich hat es lange nichts gegeben.“

Vielleicht auch durch diese Monopolstellung hat das ICSC einige große Aufträge an Land gezogen. Zuletzt war man an der Organisation der Marathons in London, Boston und Wien beteiligt, außerdem steht das ICSC kurz vor dem Einstieg als Gesamtsicherheitsberater beim neuen Stadionprojekt der AS Roma.

Besonders engagiert ist das Sport-Sicherheitszentrum, das zwar formal eine private Organisation ist, aber massiv vom Staat Katar unterstützt wird, in seinem Heimaltland. Bei der Handball-WM 2015 in Katar läuft alles über das ICSC, zum Beispiel was die Bauvorgaben der Austragungsstätten oder die Sicherheit der Zuschauer betrifft.

Auch bei der Fußball-WM 2022 wird das ICSC für Sicherheit und Logistik zuständig sein - sofern Katar das Turnier nach den jüngsten Aufdeckungen nicht doch noch verliert. Diesbezüglich hat Palme keine allzu großen Bedenken. „Was man bisher weiß, hat sich Katar korrekt verhalten, eine perfekte Bewerbung abgeliefert und ist gewählt worden“, sagte Palme auch aus dem Blickwinkel seiner ICSC-Tätigkeit.

Generell stellt sich für den 55-Jährigen die Frage einer Neuvergabe nur dann, wenn der Bericht von FIFA-Chefermittler Michael Garcia Beweise für Bestechung liefert. „Und außerdem geht es in diesem Bericht nicht nur um Katar, sondern um Russland (Anm.: Ausrichter der WM 2018) und Katar.“

Nach den Angaben von Palme ist die Kritik an seiner Wahlheimat unverhältnismäßig. „Die FIFA hat die WM vergeben - was kann Katar dafür? Und die Terminfrage ist keine Katar-Frage, sondern eine FIFA-Frage.“ Ein bisschen Verständnis für die Skepsis gegenüber dem Wüstenstaat zeigte Palme dann doch. „Katar ist eben kein klassisches Fußball-Land, hat keine gute Nationalmannschaft und ist Zielscheibe von vielen Neidern.“

Geht die Endrunde 2022 wie geplant in Katar über die Bühne, dann ist Palme bei der neunten Weltmeisterschaft in Folge vor Ort. 1990 und 1998 reiste er als ÖFB-Angestellter an, 1994 als FIFA Media Officer, 2002 als Beobachter für das Organisationskomitee des DFB. 2006 war er General-Koordinator des deutschen Organisationskomitees, 2010 „Special Advisor“ des Organisationskomitees in Südafrika. Außerdem fungierte Palme im Zuge der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz als Chefkoordinator der österreichischen Regierung und als Geschäftsführer von „2008 - Österreich am Ball“.