Irak-Schiiten folgen Aufruf Sistanis zum Widerstand gegen Extremisten

Bagdad/Wien (APA) - Der mächtigste schiitische Kleriker im Irak, Großayatollah Ali Sistani, hat mit seinem Aufruf vom Freitag, seine Glauben...

Bagdad/Wien (APA) - Der mächtigste schiitische Kleriker im Irak, Großayatollah Ali Sistani, hat mit seinem Aufruf vom Freitag, seine Glaubensbrüder sollen sich zum Kampf gegen die sunnitischen Jihadisten melden, eine Lawine ins Rollen gebracht. Mehrere tausende Freiwillige stehen bereit, die irakische Armee zu unterstützen.

Somit hat der seit mehr als zwei Jahrzehnten als moralische und politische Autorität geltende greise Geistliche das geschafft, was Ministerpräsident Nuri al-Maliki nicht gelungen ist, nämlich eine Mobilisierung seiner Landsleute. Die Bürger sollten zu den Waffen greifen und „ihr Land, ihr Volk und ihre heiligen Stätten verteidigen“ ließ Sistani beim Freitagsgebet in der Schiiten-Hochburg Kerbela (Karbala) über einen Sprecher ausrichten. Wer könne, solle sich den Sicherheitskräften im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIL/ISIS anschließen.

Obwohl Sistani schon unter Saddam Hussein als Führer der Schiiten galt, stand er bis 2003 meist unter Hausarrest. Als Leiter der theologischen Hochschule von Najaf ist er Nachfolger von Großayatollah Abu al-Qasim al-Khoei. Neben den laut Medienberichten bereits im Irak operierenden Quds-Brigarden, jener Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, erhofft sich die irakische Armee durch den Sistani-Aufruf neuen Rückenwind, um die von der ISIL besetzten Gebiete zurückzuerobern.

Dieser Aufruf spielt auch der iranischen Regierung, die ein größtes Interesse daran hat, die Macht der Schiiten in der Region zu stärken, in die Hand.

Sistani, der öffentliche Auftritte eher meidet und als sehr medienscheu gilt, lehnt eine rein religiöse Regierung im Irak ab und tritt für freie Wahlen ein. Umso bemerkenswerter ist es, dass Sistani sich nun aktiv in den Konflikt einmischt und seine Anhänger zum Kampf gegen die Extremisten ermutigt.

Dennoch will sich Sistani vom iranischen Modell distanzieren. Dort ist die Religion Staatsdoktrin und alles passiert unter der Kontrolle des Gottesstaates und dessen Obersten Geistlichen Führer Ayatollah Seyed Ali Khamenei. Sistani betrachtet das iranische Modell als gescheitert.

Beim Thema Homosexualität ist er jedoch genauso rigoros wie seine iranischen Glaubensbrüder und soll für den Tod Hunderter irakischer Homosexueller verantwortlich sein. Er hatte sich in verschiedenen Reden in diese Richtung geäußert.