Auto-Besitz könnte bald Vergangenheit angehören
Experten sehen steigenden Trend zum Carsharing. Das veränderte Mobilitätsverhalten könnte der Elektroauto-Branche Flügel verleihen.
Von Stefan Eckerieder
Innsbruck –Erdöl wird knapper und lässt die Benzinpreise steigen, der zunehmende Verkehr sorgt dafür, dass die Feinstaubgrenzwerte regelmäßig überschritten werden und dringend muss der CO2-Ausstoß reduziert werden. Umweltschonende Antriebstechnologien sind also so rasch wie möglich gefragt. Diese gibt es auch schon.
Doch obwohl bereits zahlreiche Autohersteller mit E-Autos in Serienproduktion gegangen sind, bleiben die Neuzulassungen in Österreich weit hinter den Erwartungen. Über die Gründe dafür, den Status quo der Elektromobilität und ihre Zukunft diskutierten am Dienstag Experten beim Elektromobilitätskongress der Standortagentur Tirol im Congress Innsbruck.
Dabei kam auch die ernüchternde Bilanz der Neuzulassungen von E-Autos in Österreich von nur 0,2 % am Gesamtmarkt zur Sprache. Hier liegt Österreich weit hinter den europäischen Spitzenreitern Norwegen mit einem Anteil von 6,2 % und den Niederlanden mit 4,2 % zurück. Der Unterschiede ergeben sich aus den politischen Rahmenbedingungen, erklärte Hannes Rose, Mobilitätsexperte vom Fraunhoferinstitut in Stuttgart. „Man hat dort das Bewusstsein in der Bevölkerung für Nachhaltigkeit genutzt, um E-Mobilität zu fördern. Zudem wurde die Ladeinfrastruktur ausgebaut“, so Rose.
Dennoch wird von den Experten großes Potenzial für E-Mobilität auch in Österreich geortet. Demnach befinde sich die Mobilität europaweit in einem Wandel. So gehe der Trend in vielen europäischen Großstädten weg vom eigenen Auto. Immer mehr Menschen würden sich Autos teilen oder bei öffentlichen Carsharing-Systemen teilnehmen. Hierzulande vollzieht sich der Einstieg in die Elektromobilität laut Markus Mailer von der Universität Innsbruck ebenfalls über Carsharing und Dienstfahrzeugflotten von Unternehmen. Da in diesen Bereichen meist kurze Wege zurückgelegt werden, die die Reichweite von Elektroautos nicht übersteigen. Auch im ländlichen Bereich, vor allem in Orten mit schwacher Verkehrsanbindung an den öffentlichen Nahverkehr, würde Carsharing mit E-Autos in einigen österreichischen Gemeinden bereits großen Anklang finden. Doch laut Rose gehört deswegen der Besitz eines Autos derzeit noch nicht der Vergangenheit an. „Gerade für Pendler sind E-Autos eine praktikable und günstige Lösung“, so der Experte.
Für einen Durchbruch der Elektromobilität seien dennoch noch einige Probleme zu lösen, sind sich die Experten einig. So müsse die Ladeinfrastruktur ausgebaut und Lademanagement-Systeme entwickelt werden, um die Stromversorgung nicht zu überlasten. In Sachen Reichweite sei der Plafond ebenfalls noch lange nicht erreicht, sagt Rose. „Die Batteriehersteller sagen, dass sich bei der Reichweite noch einiges tut. Jene von Verbrennungsmotoren wird aber noch lange nicht erreicht werden.“
Heute kann man sich vor dem Innsbrucker Landestheater selbst ein Bild vom Stand der Technik machen und E-Mobilität probefahren.
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