Prozess um Geldtransporter 4 - „Die haben ihr Fett schon weg“

Wien (APA) - „Die haben ihr Fett schon weg“, stellte Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel am Ende des Beweisverfahrens mit Blick auf die An...

Wien (APA) - „Die haben ihr Fett schon weg“, stellte Staatsanwältin Sabine Rudas-Tschinkel am Ende des Beweisverfahrens mit Blick auf die Angeklagten fest. Im Hinblick auf deren bisher ordentlichen Lebenswandel trat sie daher „für eine Strafe im mittleren Bereich“ ein. Der Strafrahmen für einen bewaffneten Raubüberfall beträgt fünf bis 15 Jahre.

Die beiden überfallenen „Loomis“-Angestellten hatten zuvor im Zeugenstand einen traumatisierten Eindruck hinterlassen. Der 24 Jahre alte Mann, der am 23. Dezember 2013 als Fahrer fungiert hatte, brach während seiner Befragung mehrmals in Tränen aus. Er hatte erst im Juli 2013 bei „Loomis“ zu arbeiten begonnen. Eine vermummte, völlig in schwarz gekleidete Gestalt hätte ein halbes Jahr später vor dem Bankomaten in der Nußdorfer Straße eine Pistole auf seine Brust gerichtet und ihn aufgefordert, sich hinzulegen und ruhig zu verhalten. Ansonsten werde er „tot“ sein, schilderte der Zeuge.

Er sei nach wie vor als Geldtransporteur bei „Loomis“ tätig: „Mir geht‘s nicht gut. Aber ich arbeite dran. Ich habe überlebt.“ Die psychologische Betreuung, die er erhalten habe, sei „keine große Hilfe“ gewesen.

Seine 27 Jahre alte Kollegin, die damals als Beifahrerin eingesetzt wurde, war persönlich mit der Zweitangeklagten bekannt, die mehrere Jahre als Logistikerin bei dem Sicherheitsunternehmen beschäftigt gewesen war. Als diese sich bei ihr entschuldigen und ein der Überfallenen gewidmetes, selbst verfasstes Gedicht überreichen wollte, reagierte die 27-Jährige ungehalten: „Warum hast du das getan? Du hast mir mein ruhiges Leben weggenommen.“ „Es tut mir wirklich von Herzen leid“, versicherte darauf die Angeklagte. „Das Vertrauen ist zerstört“, erwiderte die Zeugin trocken, „ich habe geglaubt, ich werde erschossen.“

Um 14.15 Uhr zog sich der Senat zur Beratung über Schuld und Strafe zurück. Mit den Urteilen war vor 15.00 Uhr zu rechnen.