ÖBV 2013 mit Rekord-Prämieneinnahmen
Wien (APA) - Die vorwiegend in der Lebensversicherung tätige Österreichische Beamtenversicherung (ÖBV) hat 2013 erstmals die 170-Mio.-Euro-M...
Wien (APA) - Die vorwiegend in der Lebensversicherung tätige Österreichische Beamtenversicherung (ÖBV) hat 2013 erstmals die 170-Mio.-Euro-Marke bei den Prämieneinnahmen überschritten, sagte Vorstandschef Josef Trawöger zur APA. Die verrechneten Prämien stiegen um 5,8 Prozent auf einen Rekordwert von 171 Mio. Euro. In der Lebensversicherung gab es dabei einen Anstieg von 5,5 Prozent auf 150,5 Mio. Euro.
Die ÖBV hat damit besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt mit minus 0,3 Prozent. Dieser Trend hat sich heuer fortgesetzt. Die ÖBV sei in der Lebensversicherung im ersten Quartal wieder über dem Branchenschnitt gewachsen, sagte Trawöger im APA-Interview. In der Unfallversicherung, der zweiten Sparte, in der das Unternehmen tätig ist, bewege man sich in etwa auf dem Niveau der Gesamtbranche.
Einen der Gründe für das überdurchschnittliche Wachstum sieht Trawöger im wieder nach oben gehenden Vorsorgebedürfnis, das Vertrauen in den Markt habe sich nach der Finanzkrise wieder etwas stabilisiert. Zudem könne die ÖBV auch mit ihren Produkten und einer Gesamtverzinsung von 3,75 Prozent in der klassischen Lebensversicherung punkten. Damit brauche man keinen Vergleich mit einem Sparbuch oder anderen Produkten zu scheuen.
Die 3,75 Prozent seien eine solide Verzinsung, die ÖBV liege damit in der Branche im Spitzenfeld. Die Gesamtverzinsung liegt seit 2012 bei 3,75 Prozent, zuvor waren es 4 Prozent. Die ÖBV sei traditionell sehr konservativ veranlagt. Das Immobilieninvestment etwa wolle man noch ausbauen. Immobilien seien für die Lebensversicherung generell ein großes Bollwerk. Die Aktienquote liege aktuell durchgerechnet bei rund 7 Prozent, die Immobilien machten nach Buchwerten rund 8 Prozent der Bilanzsumme aus. Wenn die Niedrigzinsphase allerdings noch zehn Jahre andauere, werde man sich überlegen müssen, wo man die Erträge erzielen könne.
Langsam zu wirken beginne auch der Nimbus der ÖBV als Solidargemeinschaft, bei der die Interessen der Kunden gleichgeschaltet seien mit jenen der Eigentümer. Die ÖBV ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Bei solchen kleineren Versicherungsvereinen sind die Versicherten als Mitglieder auch Teilhaber am Unternehmen und damit auch stimmberechtigt, so entscheiden sie beispielsweise über die Gewinnverteilung, und auch eine Satzungsänderung müssen sie absegnen. Die Gewinne blieben im System der Versicherungsnehmer, was in Zeiten der Globalisierung und Schnelllebigkeit an den Börsen ein Faktor für Stabilität und Vertrauen sei, so Trawöger.
Bei der ÖBV müsse der Jahresgewinn laut Satzung null sein, die Überschüsse gehörten den Versicherungsnehmern. Für 2013 weist die ÖBV einen Vorsteuergewinn (EGT) von 2,6 Mio. Euro aus, nach 6,3 Mio. Euro 2012. Grund dafür waren laut Trawöger Abwertungen, und auch die Bildung der Zinszusatzrückstellung im Ausmaß von 2,4 Mio. Euro schlug sich darin nieder.
Einen weiteren Grund für das überdurchschnittliche Wachstum sei, dass die ÖBV konsequent daran arbeite. Man könne das Unternehmen aus einer Position der Stärke heraus entwickeln.
Die Kunden der ÖBV stammen zu 80 Prozent aus dem öffentlichen Sektor - von Beamten bis zu Eisenbahnern. Änderungen an diesem Verhältnis sind durchaus geplant, wenngleich die ÖBV laut Satzung überwiegend im öffentlichen Sektor tätig sein muss. „Wir versuchen, uns ein Stück weit zu öffnen“, so Trawöger. Der Vertrieb läuft überwiegend - zu rund 90 Prozent - über den angestellten Außendienst.
Zum Thema Pensionskonto neu verweist Trawöger darauf, dass für die Vertriebsmitarbeiter das Sichtbarmachen einer möglichen Pensionslücke verantwortungsvolles Umgehen erfordere. Die erste gesetzliche Säule sei nötig für die Existenzsicherung im Alter und müsse die volkswirtschaftliche Basis gegen Altersarmut bleiben. Trawöger spricht sich dagegen aus, dass die private und betriebliche Vorsorge gegen die staatliche Vorsorge ausgespielt werden. Es gehe nicht um Entweder Oder, wichtig sei eine volkswirtschaftlich basierte Diskussion, wie man das Vorsorgesystem und auch den Vorsorgewillen stärken könne. Vom Pensionskonto neu erhofft er sich einen Beitrag dazu, dass die Altersvorsorge ins Zentrum rücke und ihre Notwendigkeit besser gesehen werde, aber: „Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen.“
Bei der prämiengeförderten Altersvorsorge („Zukunftsvorsorge“) habe es in den vergangenen Jahren starke Verbesserungen gegeben, die Versicherungswirtschaft sehe aber „Optimierungsbedarf“. Bei der ÖBV wachse der Bestand im zweistelligen Prozentbereich, im Neugeschäft flache der Zuwachs aber ab. Es herrsche Einhelligkeit in der Branche, dass man, wenn man die Wahl für ein gefördertes Produkt hätte, die klassische Lebensversicherung forcieren würde. Altersvorsorge habe sehr viel mit Stabilität zu tun.
Die Förderung der nicht-staatlichen Vorsorge könnte noch zielgerichteter erfolgen als bisher. Es gebe steuerliche Anreize, die funktionierten, wie die steuerbegünstigte Gehaltsumwandlung gemäß § 3 Einkommensteuergesetz (EStG). „Das ist für mich ein Mastermodell.“ Diese könnte mit einer sozialen Staffelung versehen werden, damit Bezieher niedrigere Einkommen den Steuervorteil ebenso lukrieren könnten wie jene mit höheren Einkommen. Zudem solle die seit 1975 nicht mehr erhöhte Obergrenze von derzeit 300 Euro jährlich angehoben werden. Für eine spürbare Vorsorgeleistung wären 1.500 bis 2.000 Euro sinnvoll.
Beschäftigt waren bei der ÖBV im Vorjahr 680 Mitarbeiter, um 13 weniger als 2012. Die Kapitalanlagen lagen stabil bei 1,7 Mrd. Euro.
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