GM will ab August Entschädigungen wegen Zündschlössern bearbeiten

New York/Detroit (Michigan) (APA/AFP) - Im Skandal um den verspäteten Rückruf von Millionen Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern will der ...

New York/Detroit (Michigan) (APA/AFP) - Im Skandal um den verspäteten Rückruf von Millionen Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern will der US-Autokonzern General Motors (GM) ab dem 1. August mit der Bearbeitung von Entschädigungsanträgen beginnen. Das ging am Dienstag aus einer im Voraus veröffentlichten Erklärung hervor, die GM-Chefin Mary Barra am Mittwoch vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses abgeben will.

Das Unternehmen macht demnach Fortschritte bei der Einrichtung eines Entschädigungsfonds. Der von GM beauftragte Staranwalt Kenneth Feinberg soll den Angaben zufolge Ende des Monats die Kriterien für Entschädigungsansprüche vorlegen.

Die Opel-Mutter General Motors hatte im Februar und März 2,6 Millionen Autos aus den Jahren 2003 bis 2011 zurückgerufen, weil die Zündschlösser während der Fahrt in die Aus-Position springen und so neben dem Motor auch die Elektronik ausschalten können. Dies kann dazu führen, dass Airbags, Servolenkung und Bremskraftverstärker ausfallen. Mit dem Konstruktionsmangel werden laut GM mehr als 50 Unfälle mit insgesamt 13 Toten in Verbindung gebracht. Verbraucherschützer vermuten deutlich höhere Opferzahlen.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Offenbar hatten Ingenieure schon ab 2001 Kenntnis von den defekten Zündschlössern. Im vergangenen Monat akzeptierte GM wegen der verspäteten Rückrufe die Zahlung einer Geldstrafe von 35 Millionen Dollar (25,86 Mio. Euro) an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Auch der Kongress und das Justizministerium untersuchen derzeit das Vorgehen des größten Autokonzerns der USA.

Landesweit reichten Anwälte Sammelklagen gegen General Motors ein. Während das Unternehmen Unfallopfer und ihre Familien entschädigen will, wehrt es sich gegen die Forderungen eines Großteils der Autobesitzer, die Reparaturkosten oder einen Wertverlust geltend machen wollen. Dabei argumentiert GM, dass es für die Fehler aus der Zeit vor seiner Insolvenz im Jahr 2009 nicht haftbar gemacht werden könne. Die US-Justiz entschied vergangene Woche, dass die Zivilklagen zentral vor dem Bundesgericht in New York verhandelt werden sollen, das bereits das Insolvenzverfahren von General Motors betreute.

Als Reaktion auf die Affäre veranlasste Konzernchefin Barra eine weitreichende Qualitätsüberprüfung bei GM-Modellen, die weitere Rückrufe zur Folge hatte. Der Konzern holte seit Jahresbeginn weltweit rund 20 Millionen Autos wegen verschiedener technischer Mängel in die Werkstätten. Besonders betroffen ist der nordamerikanische Markt.

Wegen der Rückrufaktionen hatte der Konzern im ersten Quartal bereits rund 1,3 Milliarden Dollar zurückgelegt, der Gewinn schrumpfte dadurch um 85 Prozent. Im laufenden Quartal beziffert GM die Kosten auf mindestens 700 Millionen Dollar. „Ich werde keine Ruhe geben, bis diese Probleme gelöst sind“, verspricht Barra in der vorbereiteten Erklärung.

Zuletzt trieb ein neuerlicher Massenrückruf in Nordamerika wegen mangelhafter Zündschlösser die Zahl der in die Werkstätten gerufenen Autos noch einmal kräftig in die Höhe. Rund 20 Millionen Fahrzeuge sind es insgesamt. Das ist die zweifache Jahresproduktion des größten US-Autobauers.

~ ISIN US37045V1008 WEB http://www.gm.com/ ~ APA003 2014-06-18/00:03