Neues Buch zu Brasilien: Der Weg zur „Entwicklungsmacht“

Wien (APA) - Ein dieser Tage im LIT-Verlag erschienenes Buch über Brasilien präsentiert einen differenzierten Blick auf das Austragungsland ...

Wien (APA) - Ein dieser Tage im LIT-Verlag erschienenes Buch über Brasilien präsentiert einen differenzierten Blick auf das Austragungsland der diesjährigen Fußball-WM. Herausgegeben von den Wissenschaftern und Lateinamerika-Experten Gerhard Drekonja und Ursula Prutsch bieten darin 15 Autoren ihre differenzierte Sicht auf das größte Land Südamerikas. Als Nachbearbeitung einer im Vorjahr veranstalteten Tagung.

Brasilien sei in den vergangenen Jahren von einem Entwicklungsland zu einer „Entwicklungsmacht“ avanciert, schreibt etwa die Argentinierin Claudia Zilla, die als Wissenschafterin in Berlin lebt. Durch eine aktivere Rolle in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, eine „multipolare“ Außenpolitik wie eine verstärkte Kooperation mit anderen südamerikanischen und manch afrikanischen Ländern sei nun Brasilien „auf Augenhöhe mit der OECD, aber von außen“, so Brasilien-Spezialistin Prutsch.

So sei aus einem ehemals Entwicklungshilfe-Empfänger eine Nation der ersten, industrialisierten Welt geworden. Dabei sei dieser „Qualitätssprung“ in der Auslandspresse zunächst nicht so wahr genommen worden, bemerkte der emeritierte Professor Drekonja, der von 1990 bis 2008 den Lateinamerika-Lehrstuhl an der Universität Wien innegehabt hatte. Die von ihm und Prutsch organisierte Tagung hatte die Absicht, diesen Erfolg in die öffentliche Diskussion zu bringen. Die zur ihrer Durchführung notwendige Gelder flossen aber erst ein, als die internationale Aufmerksamkeit durch die soziale Proteste im vergangenen Juni geweckt wurde.

Das in diesem Sammelband festgehaltene Ergebnis zeigt eine „interdisziplinäre und multiperspektivische Vielfältigkeit“ unter den mitwirkenden Autorinnen und Autoren, die „nicht alle zu dem selben Schluss kommen“, wie die Herausgeber im Vorwort festhalten. Den Auftakt bildet eine Transkription der Festrede des brasilianischen Schriftstellers Luiz Rufato zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2013, wo Brasilien zum ersten Mal eine stärkere und souveräne Präsenz gezeigt hat.

Denn nicht nur in geopolitischer und wirtschaftlicher Hinsicht, auch kulturell ist Brasilien schon längst ein ernstzunehmender, globaler Player geworden. Durch die verbesserten wirtschaftlichen Situation würden immer mehr junge Brasilianer europäische Länder bereisen. Dadurch würden sich die kulturellen Bande verdichten, meint Ursula Prutsch, die am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München Geschichte lehrt. „Immer mehr Brasilianer haben es satt, bloß mit Fußball, Samba und tropischen Strände identifiziert zu werden“, so die Professorin.

S E R V I C E - Gerhard Drekonja-Kornat, Ursula Prutsch (Hg.): Brasilien 2014. Aufbruch und Aufruhr. Reihe: Brasilien. Geschichte, Kultur, Kunst. Bd. 2. LIT Verlag, Wien 2014; 152 Seiten, 29,90 Euro. ISBN 978-3-643-50603-0.

~ WEB http://www.oecd.org/ ~ APA071 2014-06-18/08:01