Poroschenko kündigte einseitige Feuerpause an - Bombe an Pipeline?

Kiew/Moskau (APA/dpa/AFP) - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat im Kampf gegen prorussische Separatisten einen einseitigen Waffe...

Kiew/Moskau (APA/dpa/AFP) - Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat im Kampf gegen prorussische Separatisten einen einseitigen Waffenstillstand der Regierungstruppen angekündigt. Einen Zeitpunkt dafür nannte er nicht. Sein Friedensplan sehe eine „sehr kurze“ Feuerpause vor, in der die Aufständischen ihre Waffen abgeben und auf eine Amnestie hoffen könnten, sagte Poroschenko am Mittwoch in Kiew.

Bei Telefonaten mit Russland Präsident Wladimir Putin und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel hatte er in der Nacht zuvor über die Lage in der Ostukraine gesprochen. Verteidigungsminister Michail Kowal sagte, die Armee könnte das Feuer „in den nächsten Tagen“ einstellen. Die Aufständischen lehnten das Angebot jedoch ab. „Wir werden die Waffen nicht strecken“, sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko in Donezk.

Nach der mächtigen Explosion an einer Gastransitleitung in der Ukraine bekräftige Innenminister Arsen Awakow, er gehe von Sabotage aus. Unter einer Stütze der Pipeline zwischen den russischen Urengoi-Gasfeldern und der ukrainischen Grenzstadt Uschgorod könnte ein Sprengsatz angebracht worden sein, teilte Awakow mit. „Seit Wochen gibt es Hinweise, dass der Ruf der Ukraine als Transitland beschädigt werden soll“, sagte Regierungschef Arseni Jazenjuk.

Experten äußerten hingegen Zweifel an einem terroristischen Hintergrund. „Seit zwei Jahren machen wir auf den technisch erbärmlichen Zustand dieser Pipeline aufmerksam“, sagte der Verwaltungschef der Region Poltawa, Viktor Bugaitschuk. Statt Teile auszutauschen, habe der ukrainische Versorger Naftogaz die Leitung stets nur notdürftig repariert.

Auch der Vizechef des russischen Gazprom-Konzerns, Witali Markelow, zweifelte an der Darstellung der ukrainischen Regierung. Die Lieferungen von russischem Gas nach Westeuropa seien von der Panne nicht betroffen, sagte er der Agentur Interfax in Moskau.

Der russische Energiekonzern Gazprom warf der Ukraine vor, ihr Gasleitungsnetz nicht ordentlich zu warten. Russland investiere viel in die Instandhaltung der Leitungen, sagte der Vizechef von Gazprom, Witali Markelow, am Mittwoch. In der Ukraine sei das anders. „Die Gasleitungen werden alt, und darum gibt es Unfälle“, fügte er hinzu. Ähnliche Zwischenfälle habe es in der Ukraine schon öfter gegeben. Am Dienstag war in der nordöstlichen Region Poltawa die „Transsibirische Pipeline“ explodiert, durch die Gas in die Staaten der Europäischen Union fließt.

Poroschenko bezeichnete die Gefechte in der Ex-Sowjetrepublik als „Kriegszustand“. „Es ist ein Krieg neuen Typs - unter Ausnutzung professioneller Sabotagetrupps sowie der Bevölkerung und von Freiwilligen, die mit Propaganda einer Gehirnwäsche unterzogen wurden“, erklärte der Staatschef. Nach monatelangen blutigen Kämpfen mit Hunderten Toten brauche die Ukraine dringend Frieden. „Aber das darf kein Frieden um jeden Preis sein, sondern ein stabiler Frieden zum Schutz unserer Bürger“, unterstrich er. „Wir werden siegen.“

Russland hatte zuletzt immer wieder mit Nachdruck ein Ende des Militäreinsatzes in der Ostukraine gefordert, damit dort ein Dialog beginnen könne. Poroschenko hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt am 7. Juni eine Waffenruhe angekündigt.

~ WEB http://www.gazprom.com/ ~ APA278 2014-06-18/12:45