Irak-Krise könnte Lösung im Nuklearkonflikt forcieren
Teheran/Wien (APA) - Die Gerüchteküche brodelte am Mittwoch in Wien, offiziell bestätigen wollte es dann aber doch niemand: Der Iran und der...
Teheran/Wien (APA) - Die Gerüchteküche brodelte am Mittwoch in Wien, offiziell bestätigen wollte es dann aber doch niemand: Der Iran und der Westen sind anscheinend dabei, im zehn Jahre andauernden Atomstreit den Entwurf für ein endgültiges Abkommen auszuformulieren.
Zuvor hatte der iranische Chefunterhändler und Vizeaußenminister Abbas Araghchi (Araqchi) in der Nacht auf Mittwoch gesagt, die Gespräche in Wien würden sehr gut laufen würden und er hoffe, dass mit dem Entwurf am Mittwoch begonnen werden könne. Für den Iran, der unter den Wirtschaftssanktionen des Westens, insbesondere unter dem EU-Öl-und Gasembargo, leidet, ist ein baldiger Konsens im Konflikt wirtschaftlich sehr wichtig.
Die Krise im Irak könnte hierbei eine Einigung begünstigen. Die sunnitische Extremistengruppe ISIS, die den schiitisch regierten Nachbarstaat des Iran mit Anschlägen terrorisiert und in Richtung Bagdad auf dem Vormarsch ist, hat sogar ermöglicht, was vor wenigen Wochen undenkbar gewesen wäre: Die USA und der Iran, die seit 35 Jahren keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, verhandeln notgedrungen auch außerhalb der Atomfrage wieder direkt miteinander. Diese internationale Krisendiplomatie am Rande der Wiener Atomgespräche zeigt sehr deutlich und nüchtern die Verhältnisse im Nahen und Mittleren Osten auf:
Die Konflikte in Syrien im Irak, der Zwist zwischen Sunniten und Schiiten um die Vorherrschaft der Region, die gegensätzlichen Interessen von Riad und Teheran und die regionale Ohnmacht Washingtons zwingt die verfeindeten Lager zu einer Zweckkooperation, um das Pulverfass Naher Osten nicht ganz zur Explosion zu bringen.
Großer Profiteur der Krise ist Teheran: Der Ölpreis steigt, das Bewusstsein, dass im Irak nichts ohne den Gottesstaat geht, stärkt das Selbstvertrauen und das Spielkapital bei einer Einigung im Atomstreit. Auch wenn die USA klargestellt haben, dass es keine Militäraktion mit dem Iran geben werde und der Atomstreit nichts mit der Situation im Irak zu tun habe, werden hinter vorgehaltener Hand verschiedene Szenarien durchgespielt.
Der Iran hat seine Bereitschaft signalisiert, als Mediator im Konflikt zu agieren. Dass er das nicht uneigennützig tut und dafür ein dementsprechendes Wohlwollen des Westens bei den Atomverhandlungen erwartet, versteht sich von selbst. Gleichzeitig hatte die Führung in Teheran aber die Entsendung von Freiwilligen in den Raum gestellt, um „heilige Stätten“ der Schiiten im Irak zu schützen.
Noch gibt es aber viele Differenzen im Konflikt rund um die iranische Urananreicherung. Das weiß auch der Iran. Vorsorglich hat Araghchi den Druck minimiert und gemeint, dass es „keine Katastrophe wäre“, wenn man bis Juli keine Einigung erzielt. Dann würde man die Verhandlungen eben verlängern.
~ WEB http://www.iaea.org/ ~ APA320 2014-06-18/13:30
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