Weltpolitik

Spannung vor Erdogans Rede: Busse aus Tirol nach Wien unterwegs

Tausende Menschen hatten Recep Tayyip Erdogan im Mai in Köln zugejubelt. Heute wird der türkische Ministerpräsident in Wien erwartet.
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Der türkische Ministerpräsident will heute vor Tausenden Anhängern in Wien sprechen. Auch aus Tirol sind etliche Busse unterwegs.

Wien, Telfs –Der Telfer ÖVP-Gemeindevorstand Güven Tekcan fährt heute nicht zur Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan nach Wien. Er weiß aber, dass „über zehn Busse“ aus Tirol unterwegs sind. Und er hat eine klare Erwartung: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Erdogan eine schöne und richtige Botschaft mit nach Wien bringt.“

Unter „richtig“ versteht Tekcan Worte im Sinne einer besseren Integration: „Für viele ist Österreich eine neue Heimat geworden. Ich wünsche mir, dass sie sich mehr für unsere Politik und Vereine hier interessieren würden.“

Tekcans positive Erwartung steht in Widerspruch zu den skeptischen Stimmen in Österreichs Politik, etwa von Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (siehe Seite 3). Offiziell als „Privatrede“ anlässlich des Zehn-Jahr-Jubiläums der „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD) angekündigt, sehen viele Beobachter den Auftritt als Teil des Wahlkampfes um das türkische Präsidentenamt.

Erst im Mai war der Premier in Köln aufgetreten und hatte dort zwar zur Integration aufgerufen. Gleichzeitig warnte er aber vor Assimilierung und schwor seine Anhänger auf das Türkentum ein. Noch ist die Kandidatur Erdogans nicht fix. Die Stimmen der Auslands-türken wären für ihn jedenfalls eine willkommene Stärkung.

Die UETD hat für die Veranstaltung die Albert-Schultz-Eishalle in Wien-Donaustadt gemietet. Dort ist Raum für 7000 Menschen. Für weitere 10.000 Personen ist der Platz vor der Halle zugelassen, auf den die Rede übertragen wird. Die UETD hätte gerne eine größere Halle oder ein Stadion gewählt. Politische Intervention hätte dies aber verhindert, sagt UETD-Präsident Abdurrahman Karayazili. Die UETD selbst wiederum hat offenbar der Wiener Gratiszeitung Heute die Akkreditierung und damit den Zugang zur Halle verweigert.

Die Polizei hat sich mit einem Großaufgebot für die Rede gerüstet. Bis zu 1000 Polizisten sollen vor allem Zusammenstöße von Erdogan-Anhängern und Teilnehmern von zwei Gegendemonstrationen verhindern. (mami, TT, APA)