Banken zittern vor Facebook
Große Internetfirmen drängen ins Banking. Weltweit machen rund 3500 Start-ups den Geldhäusern Konkurrenz. Start-up-Experte: „Es wird furchtbar.“
Zürich, Frankfurt –Für die Banken sieht es aus wie eine sanfte Woge am Horizont. Aber Matthias Kröner ist sich sicher: Technologieriesen wie Google und kleine Start-ups wie seine Internetbank Fidor werden Umwälzungen auslösen, die wie ein Tsunami über die Finanzbranche hereinbrechen. „Der geht zuerst als kleine Welle über das Meer“, sagt der Fidor-Chef. „Aber wenn sie auf Land trifft, dann wird es furchtbar.“
Kröner zählt zu den Pionieren des Online-Bankings in Deutschland. Er hat die Direktbank DAB aufgebaut, dann widmete er sich Fidor. Dort diskutieren Kunden online über die beste Anlagestrategie. Außerdem leihen sie sich gegenseitig Geld oder finanzieren Projekte.
Die etablierten Banken reagierten auf neue Ideen immer gleich, hat Kröner beobachtet. „Ignorieren, schlechtreden, kopieren.“ Heute haben Online-Broker wie DAB, Comdirect und ING-DiBa Millionen von Kunden und setzen den alteingesessenen Geldhäusern schwer zu. Die Beratungsfirma Accenture schätzt, dass Banken bis 2020 weltweit mehr als 30 Prozent ihrer Erträge an neue Wettbewerber verlieren könnten.
Experten und Bankmanager zerbrechen sich deshalb den Kopf, wie die nächste Angriffswelle aussehen wird. Welche Geschäftsfelder attackieren branchenfremde Anbieter in den kommenden Jahren? Bieten sie künftig auch Kredite an oder bringen Unternehmen an die Börse? Und am wichtigsten: Müssen die etablierten Großbanken ihr Geschäftsmodell nur anpassen oder komplett auf den Kopf stellen?
Francisco González, Chef der spanischen Großbank BBVA, ist überzeugt, dass Konzerne wie Google, Facebook oder Amazon in absehbarer Zeit die Finanzbranche aufmischen werden. „Banken, die auf solche Wettbewerber nicht vorbereitet sind, sehen dem sicheren Tod entgegen.“
In einem angestammten Bankgeschäft ist ein Eindringling bereits heute Marktführer: Ein großer Teil der Internet-Einkäufe läuft über die eBay-Tochter PayPal. Weltweit benutzen den Online-Bezahldienst 148 Millionen Menschen – so viele Einwohner haben Deutschland und Frankreich zusammen. Die Größe und der Erfolg der eBay-Tochter haben die Finanzbranche aufgeschreckt. Weltweit versuchen nach Schätzungen von Bain & Company rund 3500 Jungfirmen, den Banken Geschäft abzujagen. Viele Risikokapitalgeber glauben an sie – und wittern in der Finanzbranche das nächste Eldorado. Und: Viele der neuen Anbieter versuchen, sich zwischen Kunden und Bank zu schieben, beobachtet Ben Robinson, der Chefstratege der Bankensoftwarefirma Temenos. Für die Geldhäuser sei das brandgefährlich. Am verwundbarsten sind die Banken aus Sicht von Robinson in Geschäftsbereichen, in denen die Gewinnmargen hoch und die Auflagen der Aufsichtsbehörden vergleichsweise gering sind – beispielsweise Währungshandel im Internet oder kleinere Kredite, etwa für den Kauf eines Fernsehers.
Bisher ist das Geschäftsvolumen der Angreifer im Vergleich zu Großbanken noch verschwindend gering – bei geschätzten 2 %. Das könne sich allerdings schlagartig ändern, wenn Giganten wie Google oder Facebook massiv ins Bankengeschäft einsteigen.
Google, Apple und Facebook wollen sich zu ihren Plänen nicht äußern. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die US-Giganten bald zum Angriff blasen. Apple hat das neueste iPhone auch deshalb mit einem Fingerprint-Sensor ausgestattet, weil das Unternehmen Interesse am Bezahlen über das Handy hat.
Google hat in den USA schon vor einiger Zeit eine elektronische Geldbörse auf den Markt gebracht, das Google Wallet. Damit können Nutzer im Internet bezahlen und Geld senden und empfangen. Auch in Europa verfügt die Suchmaschine bereits über eine Banklizenz. (wer, APA, Reuters)
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