Fußball-WM: Chiles „Rebellen“ lassen Establishment zittern
Rio de Janeiro (APA) - Chiles Nationalmannschaft hat am Mittwoch ihren Ruf als WM-Geheimfavorit eindrucksvoll bestätigt. Die Südamerikaner w...
Rio de Janeiro (APA) - Chiles Nationalmannschaft hat am Mittwoch ihren Ruf als WM-Geheimfavorit eindrucksvoll bestätigt. Die Südamerikaner warfen im Maracana von Rio de Janeiro Titelverteidiger Spanien durch ein 2:0 aus dem Turnier, beendeten damit die Regentschaft der Spanier als Fußball-Nation Nummer eins und träumen nach dem Achtelfinal-Einzug sogar von der ganz großen Sensation.
„Wir wollen etwas Besonderes schaffen. Als Kind glaubte ich daran, einmal Weltmeister zu werden, und daran glaube ich noch immer“, erklärte Stürmerstar Alexis Sanchez vom FC Barcelona. Arturo Vidal pflichtete ihm bei: „Wir sind nicht hergekommen, um Urlaub zu machen. Wir wollen den Titel.“
Teamchef Jorge Sampaoli versuchte, die Euphorie seiner Schützlinge etwas zu bremsen. „Wir denken nicht darüber nach, Weltmeister zu werden. Es gibt so viele gute Mannschaften in diesem Turnier.“ Damit meinte der Coach vor allem die altbekannten Großmächte, nämlich die Top-Teams aus Europa sowie Brasilien und Argentinien.
Diese Länder machen sich seit Jahrzehnten den Titel untereinander aus, doch nun schickt sich „La Roja“ an, die alte Ordnung im Weltfußball ins Wanken zu bringen. „Wir sind so etwas wie die Rebellen dieser WM“, behauptete Sampaoli und war voll des Lobes für seine Kicker. „Die Mannschaft ist sehr reif, vielleicht so reif wie noch nie. Aber ob es das beste chilenische Team der Geschichte ist, wird man erst sehen.“
Viel wird in diesem Zusammenhang vom Gesundheitszustand Vidals abhängen. Der Mittelfeldmotor leidet noch immer unter den Nachwirkungen seiner Meniskus-Operation vor einigen Wochen. „Er hat nach jedem Match Schmerzen, doch er kann damit umgehen, weil er eine großartige Einstellung hat“, meinte Sampaoli.
Der 54-Jährige lässt seine Mannschaft ein unorthodoxes und variables 3-5-2 spielen, das auf große Laufbereitschaft ausgelegt ist. Damit zwangen die Chilenen nicht nur Spanien in die Knie - im vergangenen November gewannen sie im Wembley-Stadion gegen England 2:0, vier Monate später folgte ein äußerst unglückliches 0:1 in Deutschland. „In diesen Spielen haben wir gesehen, dass wir unser System auch gegen große Mannschaften einsetzen können“, sagte Sampaoli.
Dies bekamen nun die Spanier zu spüren, dessen Teamchef Vicente del Bosque den Siegern Beifall spendete. „Die Chilenen werden für jedes Team ein harter Gegner. Sie sind physisch unglaublich stark und sehr kreativ“, sagte der 63-Jährige. Nächstes potenzielles Opfer sind die Niederländer - im Duell mit den „Oranjes“ am Montag in Sao Paulo soll laut Sampaoli ein Sieg her, um ein Achtelfinal-Duell mit dem wahrscheinlichen Gruppe-A-Sieger Brasilien zu vermeiden.
Die größte Stadt Brasiliens wird an diesem Tag einen wohl noch gewaltigeren Fan-Ansturm erleben, als es am Mittwoch in Rio der Fall war. Laut Schätzungen strömten über 100.000 Chilenen in die Stadt am Zuckerhut - rund die Hälfte davon schaffte es unter die 74.000 Zuschauer im Maracana und sorgte für eine Stimmung, die sogar jene beim 2:1-Sieg der Argentinier in Rio gegen Bosnien-Herzegowina in den Schatten stellte.
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